Fernsehen

Von Jerusalem bis Madagaskar

Ostern ist Fernsehzeit: Neben Historienfilmen und Fantasy gibt es auch die bewährten Klassiker

Wenn man in Indonesien unterwegs ist, stößt man schnell auf eine interessante Redewendung. „He’s a real Emden“, sagt man dort, wenn man jemanden als besonders clever, verschlagen oder listenreich beschreiben will. Das ist schon kurios, vor allem, wenn man das ostfriesische Emden mal besucht hat. Plattdeutsch, Kandiszucker und die fruchtbare Kalkmarsch am Wybelsumer Polder: Alles ganz wunderbar. Aber ein Synonym für intellektuelle Spritzigkeit? Wirklich?

Des Rätsels Lösung führt zurück in eine Zeit, an die gerade besonders häufig erinnert wird. Im Ersten Weltkrieg war der deutsche Kreuzer SMS Emden im chinesischen Tsingtau stationiert. Als er von einem australischen Kriegsschiff versenkt wurde, konnten sich 50 Mann der Besatzung retten. Für sie begann nun eine zermürbende Odyssee um die halbe Welt: Sie kaperten einen Schoner, navigierten durch das von Alliierten kontrollierte Meer, wanderten durch die arabische Wüste, erreichten Konstantinopel und schafften es schließlich, stark dezimiert, im Juni 1915 nach Berlin.

Fette Schinken am Karfreitag

Diese abenteuerliche Geschichte erzählt Berengar Pfahls Film „Die Männer der Emden“, den die ARD am Karfreitag um 20.15 Uhr ausstrahlt. Der Sender folgt damit dem Gesetz, wonach dem österlichen Publikum schon am eigentlich fleischlosen Karfreitag besonders fette Historienschinken vorgesetzt werden müssen. Dass diese nicht immer allzu nahrhaft sind, hat die Kritik diesem Film schon vorgeworfen, als er in kürzerer Fassung Anfang 2013 in den Kinos lief. „Trockene Geschichtsstunde“ und „behäbig“ waren da noch die höflicheren Formulierungen.

Ein paar Jahrzehnte später im historischen Kontinuum spielt Coky Giedroycs „Die Spione von Warschau“, dessen zwei Teile Arte am Karfreitag direkt hintereinander ausstrahlt (20.15 und 21.45 Uhr). Der Film spielt in Polen, Paris und Berlin kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs und erzählt die Geschichte eines französischen Militärattachés, der sich in eine polnische Völkerbunds-Anwältin verliebt. Die ist leider schon vergeben und deshalb ist alles furchtbar kompliziert. Ganz so, als wären nicht die Zeiten selbst schon anstrengend genug.

Dann also vielleicht doch lieber gleich die Flucht ins Mittelalter antreten? Das könnte sich diesmal wirklich lohnen, denn Margarethe von Trottas Historienfim „Vision – Aus dem Leben der Hildegard von Bingen“ zählt mit Barbara Sukowas schauspielerischer Ausnahmeleistung zu den wirklich sehenswerten Filmen, die das Fernsehen an den Feiertagen zu bieten hat. Erzählt wird im ruhigen Duktus die Vita der deutschen Universalgelehrten, die mit ihren Schriften auf beinahe allen Geistesgebieten erheblichen Einfluss entfaltete und selbst ein Kloster gründete (3Sat, Karfreitag, 20.15 Uhr). Zur österlichen Stimmung passt dieser unprätentiöse, interessante Film vielleicht am besten.

Es sei denn, man mag das großkalibrige Pathos einer Serie wie „Die Bibel“, die Vox bereits am Gründonnerstag auszustrahlen beginnt (bis einschließlich Sonnabend, jeweils 20.15 Uhr). Die aufwändige, streckenweise pompöse Produktion, in den USA mit über 13 Millionen Zuschauern auf dem „History Channel“ ein überraschender Erfolg, erzählt in zehn Folgen die biblische Geschichte von der Arche Noah bis zur Auferstehung Jesu. Das ist in seiner genretypischen Mischung aus Gewalt, Drama und Heroismus leider ziemlich vorhersehbar inszeniert. Aber wenn jemand Schwert- und Sandalenfilme wie „Das Gewand“ oder „Quo vadis“ heute noch mag, dann wegen der Lust am Martialischen und am netten Kostüm.

Tiere in der Wildnis mögen alle

Franklin J. Schaffners Verfilmung des Henri-Charrière-Romans „Papillon“ ist auch nicht arm an Gewalt, aber weit davon entfernt, sie zu überhöhen. Er zeigt in seiner Schilderung einer Strafkolonie in Französisch Guyana vielmehr ihre hässliche Fratze (3Sat, Karfreitag, 20.15 Uhr). Die US-Produktion von 1973 mit Steve McQueen und Dustin Hoffman in den Hauptrollen gehört zu den Klassikern der Filmgeschichte, die an den Osterfeiertagen gezeigt werden – ebenso wie Francis Ford Coppolas Mafia-Epos „Der Pate“, das 3Sat am Sonnabend (22.20 Uhr), am Sonntag (22.10 Uhr) und am Montag (22.05 Uhr) in allen drei wunderbaren Teilen ausstrahlt.

Den obligatorischen Hitler, der in keinem öffentlich-rechtlichen Historienrausch fehlen darf, liefert uns Charlie Chaplin mit seinem wunderbaren „Großen Diktator“ am Sonnabend ins Haus (3Sat, 20.15 Uhr). Wer mag, der kann auch „Madagascar“ ansehen, eine Dreamworks-Produktion aus dem Jahr 2005 mit sprechenden Tieren in der Hauptrolle (Sat.1, 20.15 Uhr). Oder am Montag die Komödie „What a Man“ mit Matthias Schweighöfer (Sat.1, 20.15 Uhr). Am Ende ist jedenfalls abzusehen, wer beim Quotenwettrennen den Sieger abgeben wird: Der „Tatort“, mal wieder. Am Montag gibt es einen neuen. „Zwischen zwei Welten“ heißt er. Es ermitteln die Schweizer.