Konzert-Kritik

Kurz und heftig: Kaiser Chiefs in der Kulturbrauerei

Das Publikum kocht, der Song rockt, der Sänger der Kaiser Chiefs sitzt in der Mitte des Kesselhauses der Kulturbrauerei auf dem Fußboden. Direkt zwischen seinen Fans. Sie brüllen den Refrain der zweiten Zugabe „Oh My God“ mit, bereit, jederzeit gemeinsam mit Ricky Wilson aufzuspringen und als wippende Masse die auf der Bühne zurückgebliebene Band anzufeuern. Genial. Solche Momente gibt es nur live. Das einzige Problem ist, Wilson tut es nicht für den Moment. Er tut es für die Kamera, die er selbst in der Hand hält. Er filmt sich dabei, wie er nur für die Linse singt, dann wieder feuert er die Zuschauer an, ihm gute Bilder zu liefern. Obwohl man seinen Fans nicht näher sein kann, lässt er sie sträflich allein. Glück gehabt, dass ihm das niemand übel nimmt.

Es braucht nicht besonders lange, bis im Kesselhaus der Siedepunkt erreicht ist, und ab da fällt die Kurve auch nicht mehr ab. Mit einem Liebesakt verglichen, wäre dieses Konzert ein kurzer und heftiger Zwischenfall gewesen – über Albumlänge ging es kaum hinaus.

Mit dem alten Hit „Modern Way“ war das wünschenswert hohe Stimmungsniveau erreicht. Dann ging es Schlag auf Schlag. Auf „Bows & Arrows“ vom neuen Album folgte „I Predict A Riot“, ein großartiger Rock'n'Roll-Song, die dicht gedrängte Menschenmenge tobte. So ging es weiter, bis Wilson beim letzten Stück „Angry Mob“ plötzlich ins Mikro schreiend an der Bar stand und ein Bier einforderte.