Fernsehen

Von Superhelden und Serienmördern

Jubiläums-„Tatort“ aus Münster: Im 25. Fall suchen Boerne und Thiel einen Hammermörder

Es ist der 25. „Tatort“ aus Münster, normale Kollegen würden jetzt wohl gemeinsam ein Bier trinken gehen. Aber Frank Thiel und Karl-Friedrich Boerne können sich ja erstens nicht ausstehen, und zweitens würde Gerichtsmediziner Boerne (Jan-Josef Liefers) ein Bier mit Kommissar Thiel (Axel Prahl) wohl auch als proletarische Zumutung zurückweisen. Trotzdem haben sie es so lange miteinander ausgehalten, fast zwölf Jahre schon, und es zum erfolgreichsten Ermittlerpaar der gesamten „Tatort“-Reihe gebracht. 2011 und 2012 sahen durchschnittlich 11,58 Millionen Menschen den Münsteraner „Tatort“.

Dabei weiß man gar nicht so genau, ob man es hier noch mit einem Krimi im klassischen Sinn des Genres zu tun hat oder schon mit einer Art mehrfach ironisch gebrochenem Kommentar dazu. Prahl und Liefers haben sich in den letzten Jahren häufiger den Vorwurf anhören müssen, es mit den slapstickhaften Einlagen und den persönlichen Kabbeleien zu übertreiben. Auch in dieser Folge passiert all das wieder: Thiel und Boerne beleidigen einander aufs Schärfste, und dauernd passieren Dinge, die vom Ausrutschen auf der Bananenschale nicht allzu weit entfernt sind.

Es beginnt damit, dass ein Mann zunächst mit Säure verätzt, dann aus einem Fenster geworfen und schließlich von einem Auto einige Meter mitgeschleift wird. Es handelt sich um den Bauunternehmer Wolfgang Öhrle, aber noch bevor sich Thiel und Boerne einen Reim auf sein Ende machen können, schlägt der Täter schon wieder zu. Diesmal erwischt es einen Zuhälter namens Bruno Vogler. Schon für die wenigen Sekunden, in denen wir Frank Zander in seiner kleinen Gastrolle zusehen dürfen, lohnt sich dieser „Tatort“. Seine Begegnung mit dem Täter in einem Parkhaus verläuft sehr lustig – für den Zuschauer.

Thiel sieht auf den Aufnahmen der Überwachungskamera, dass der Mörder ein überaus seltsamer Vogel ist. Er trägt eine Wollstrumpfmaske und ist wie ein Superheld verkleidet. „Ein Vigilant“, wie Boerne uns schulmeisterlich näselnd erklärt: Jemand, der Selbstjustiz betreibt, und zwar indem er Säure verspritzt und dann mit einem Hammer Nummern in die Köpfe seiner Opfer schlägt. Vogler wird nicht der letzte sein in dieser Folge.

Die Ermittlungen ergeben, dass beide Opfer mit dem geplanten Bau eines Flatrate-Bordells zu tun hatten, von dem sich die Stadt Münster Gewerbesteuereinnahmen verspricht. Die alternativ bewegte Szene protestiert und und kettet sich an die Baufahrzeuge. Wer den Münsteraner „Tatort“ kennt, der ahnt schon, dass Thiel hier seinen Taxi fahrenden Vater trifft, den Alt-68er Herbert Thiel (Claus Dieter Clausnitzer), den eine Mitstreiterin zum Entsetzen des Sohnes nach getaner Protestarbeit auch noch mit einer Ölmassage verwöhnt. Dann fällt Thiel der militant herumkrakeelende Gunnar Roth auf.

Es ist nicht so sehr die Revue der Verdächtigen, die diesen „Tatort“ so sehenswert macht. Es ist die Figurenkonstellation, die erkennbare Spielfreude auch von Nebenfiguren wie der kleinwüchsigen Boerne-Gehilfin „Alberich“ (Christine Urspruch), der nikotinsüchtigen Staatsanwältin Wilhelmine Klemm (Mechthild Großmann) oder der ewigen Kommissarsanwärterin Nadeshda Krusenstern (Friderike Kempter). Ja, es gibt komplett überdrehte Situationen, aber sie sind lustig, und sie bringen die wirklich ernsten und auch tragischen Seiten dieser Geschichte zum Leuchten. So absurd sie auch sein mag.

ARD, heute, 20.15 Uhr