Ermittlungsverfahren

Raubkunst? Parzinger hängt Bild im Büro ab

Staatsanwaltschaft gibt Gemälde an Gurlitt zurück

Der Fall Gurlitt und die Raubkunst: Nun hat der Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Hermann Parzinger, in seinem eigenen Büro ein Bild wegen des möglichen Verdachts auf NS-Raubkunst abgehängt. Es handelt sich um das Gemälde „Pariser Platz in Berlin“ von Oskar Kokoschka, das ursprünglich aus der Galerie der jüdischen Kunstsammlerin Anna Caspari stammt. Es wurde 1935 – als Teil eines größeren Konvoluts – über die Dresdner Bank an das Deutsche Reich verkauft, ging später in den Besitz der Preußenstiftung über. Die Gestapo schloss 1939 die Galerie und beschlagnahmte viele Bilder. Caspari wurde deportiert und ermordet.

Parzingers Sprecherin erklärte, der Präsident wisse seit etwa zwei Wochen von der Herkunft des Bildes aus der jüdischen Galerie. Er habe nun eine Einzelfallprüfung angeordnet. Bis zur Klärung habe er das Bild aus seinem Arbeitszimmer entfernen lassen. Die Preußen-Stiftung durchforstet kontinuierlich ihre Bestände mit Blick auf NS-Raubkunst.

Unterdessen teilte die Staatsanwaltschaft Augsburg mit, dass Cornelius Gurlitt nach zwei Jahren seine Bilder zurückerhält. Die Behörde hob die Beschlagnahme am Mittwoch auf und gab wie erwartet die Werke frei. Im Zuge des Ermittlungsverfahrens hätten sich neue Erkenntnisse ergeben. Die rechtliche Situation sei neu bewertet worden. Die Staatsanwaltschaft hatte am 28. Februar 2012 insgesamt 1280 Bilder aus der Münchner Wohnung des heute 81-Jährigen wegen des Verdachts auf ein Steuer- und Vermögensdelikt beschlagnahmt und seitdem unter Verschluss gehalten. Rund 500 Werke stehen nach Auffassung der Taskforce „Schwabinger Kunstfund“ im Verdacht, Nazi-Raubkunst zu sein. Cornelius Gurlitt ist der Sohn des Kunsthändlers Hildebrand Gurlitt, der dem Naziregime zuarbeitete.

„Zum Zeitpunkt der Beschlagnahme der gesamten Sammlung war die Staatsanwaltschaft Augsburg uneingeschränkt von der Rechtmäßigkeit der Maßnahme überzeugt“, betonte die Behörde. Das Ermittlungsverfahren sei damit auch noch nicht abgeschlossen. Anfang dieser Woche hatten Gurlitt und seine Anwälte einen Vertrag mit der Bundesregierung und Bayern unterschrieben. Gurlitt erklärte sich darin bereit, seine Sammlung auch nach dem Ende der Beschlagnahme von Experten untersuchen zu lassen und unter Nazi-Raubkunstverdacht stehende Werke zurückzugeben.

Gurlitts Strafverteidiger Tido Park erklärte: „Das ist ein guter Tag für Cornelius Gurlitt.“ Gurlitts Anwälte hatten beim Amtsgericht Augsburg Beschwerde gegen die Beschlagnahme eingelegt. „Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass das Beschwerdegericht die Beschlagnahmeanordnung angesichts der gravierenden Mängel und unserer ausführlich begründeten Beschwerde aufgehoben hätte“, sagte Park. „Gurlitts Rehabilitierung wird durch die Entscheidung des heutigen Tages weiter gestärkt.“