Bühne

Die Bügelfalte muss sitzen – auch vor dem Sex

Schnelle Pointen: „Doppelfehler“ in der Komödie am Kurfürstendamm

Der Zufall, die Schlüpfrigkeit und das Missverständnis sind drei vielfach erprobte Schmiermittel der Boulevardkomödie. Ihren Großangriff auf unsere beiden völlig ahnungslosen Helden starten sie in Barry Creytons Stück „Doppelfehler“, das am Sonntag in der Komödie am Kurfürstendamm Premiere feierte, gleich in der ersten Szene: Rein zufällig trifft Sandra vor der Toilette eines Restaurants ihren Ex-Mann Max, woraufhin ihr (vor Schreck?) der Träger des Büstenhalters reißt.

Max fummelt im Ausschnitt der Verflossenen das Malheur wieder zurecht, was ihrem aktuellen Gatten, der in diesem Moment dazu kommt, in den falschen Hals gerät und Max zügig ein blaues Auge beschert. Und beiden, also Max und Sandra, plötzlich wieder die rosarote Brille beim Blick auf einander. Sehr bald landen die beiden wieder gemeinsam im Bett.

Nun heißt der Abend, bei dem Christian Brey Regie führte, nicht „Matchpoint“, sondern „Doppelfehler“ man ahnt, es nimmt kein gutes Ende. Vor knapp 20 Jahren war das Liebesmatch schon einmal am Kudamm zu sehen, als deutschsprachige Erstaufführung mit Anita Kupsch und Volker Brandt. Dieses eher handlungsarme Zweipersonen-Stück, das vor allem von den schnellen, pointensatten Wortgefechten der Protagonisten lebt, braucht zwei starke, ebenbürtige Darsteller. In der aktuellen Version übernehmen mit René Steinke und Sonsee Neu zwei durchs Fernsehen sehr Comedy-erprobte Schauspieler. Sie an der Seite von Bastian Pastewka als dessen Freundin Anne, er zusammen mit Annette Frier in der Serie „Danni Lowinski“.

Doch auf der Kudamm-Bühne gewinnt der klassische Sitcom-Screwball nicht recht an Flughöhe, was vor allem daran liegt, dass der Regisseur die Figuren mit einer derart dicken Schicht Zynismus überzieht, dass das Grundmotiv, ein Riesenschiss vor der Liebe, sich kaum Bahn brechen kann. Stattdessen sind beide mit ausladenden Armen und untertongeschwängerten Spitzen im Dauer-Ironie-Modus.

Das ist eine Weile durchaus amüsant und beschert uns ein paar herrliche Bonmots, doch auf Dauer fragt man sich, was er eigentlich an ihr, dieser als Businessfrau getarnten Romantikerin, mit Hang zum Chaos findet. Und sie an ihm, diesem hypochondrischen Ordnungsfanatiker mit ständig wechselnden Geliebten, der kurz vor dem Sex noch Sorge um die Bügelfalte seiner Hose hat.

Ausstatterin Anette Hachmann hat ihnen für all das einen funktionalen Raum gebaut mit drei Spielflächen: Vorn zwei Sessel fürs Zwiegespräch mit dem jeweiligen Psychiater, rechts Bett und Schlafzimmer, links der „neutrale Boden“ eines Restaurants. Bemerkenswerterweise fängt es immer dann an zu knistern, wenn sie eben diesen Raum ausgiebig nutzen, wortlos. Wennwenn sie tanzen, unentschieden, ob aufeinander zu oder voneinander weg, dann lodert jenseits der Worte sowas wie Leidenschaft. Am Ende dann: Alles auf Anfang. Nach erneuter Trennung wieder eine Zufallsbegegnung im Restaurant, wieder ein Problem im BH, es sind die Kontaktlinsen von Max, die sich dort ein neues Zuhause gesucht haben. Doch dieses Mal weist kein Ex-Gatte ihm, sondern die Musik den Zuschauern unmissverständlich den Weg, wohin das alles hier einzig und allein nur führen kann: „We’re on a road to nowhere.“

Komödie am Kurfürstendamm Kurfürstendamm 206/209, Charlottenburg. Tel.: 88 59 11 88. Termine: bis zum 25. Mai.