Theater-Kritik

In der Vorhölle: Das hat Büchner nicht verdient

Schrill und gedankenlos: „Woyzeck III“ im Gorki

Getrieben von Hass, Wut und Einsamkeit mordet und meuchelt er. „Du kannst“, heißt es in Mirko Borschts sehr freier Woyzeck-Adaption fürs Gorki Theater, „den Qualen nicht entkommen“. Die Qualen waren in der Tat groß an dem Abend. Vor allem fürs Publikum.

Es fing alles harmlos an: Vom Klavier schickt Friederike Bernhardt traurige Akkorde in den Raum, eine tote Frau liegt am Bühnenrand. Zuschauer wurden am Einlass mit Grablichtern ausgestattet und erweisen Woyzecks Marie (Mareike Beykirch) die letzte Ehre. Doch es wird dies der einzige echte Woyzeck-Moment dieses als „Woyzeck III – Magic Murder Mystery“ betitelten Abends bleiben.

Ab jetzt versteigt sich Mirko Borscht in ein seltsam transzendentales Behauptungs-Konstrukt, das Woyzecks Wesen und Handeln auf eine Art Ur-Schuld zurück führt: „Die Schuld ist zu unserer Natur geworden, zu unserem Gott.“ Während Falilou Seck sich im Schöpfungsgeschichten-Exkurs ergeht, zertrümmert eine höhere Macht menschengleiche Puppen und arrangiert ihre Gliedmaßen neu. Es gibt viele Woyzecks: Einer trägt Langhaarperücke und Frauenkleidchen (Tamer Arslan), einer hat eine Schlange um den Bauchnabel tätowiert und fällt besoffen vom Barhocker (Till Wonka). Unter all den auf dem Programmzettel vermerkten „inspirierenden AutorInnen“ taucht Georg Büchner immerhin auf, neben Briefbomber Ted Kaczynski und Serienkiller Dennis Nilsen. Es sollte dies alles wohl ein als Vorhölle präparierter Exkurs in die düstere Psyche des geworfenen Menschen sein, herausgekommen ist aber nur eine wirre und vage Ursuppe aus Textfetzen und Gedankenkonstrukten.

Wieder am 10. und 11. April, 19.30 Uhr. Maxim Gorki, Kartentel. 20 221 115