Fernsehen

Begonnen als Ökobauer – geendet in der Jauchegrube

Das Brandenburger Landleben im „Polizeiruf 110“

Es kommt nicht oft vor, dass eine Filmfigur so heißt wie ihr Darsteller im richtigen Leben. In der Regel sind das die sogenannten Cameo-Auftritte von Prominenten oder Semiprominenten, die dann nicht mehr sind als ein netter Gag. Zuletzt war das zu besichtigen, als Bestseller-Autor Frank Schätzing im Kieler „Tatort“ plötzlich vor Kommissar Borowski (Axel Milberg) stand – thematisch ganz passend, es ging schließlich um den Zustand der Weltmeere. Beim Schauspieler Horst Krause ist es aber nun schon seit Ewigkeiten so, dass er auch als „Polizeiruf“- Kommissar Horst Krause heißt.

Unser Polizeihauptmeister Horst Krause jedenfalls – dieser liebenswert adipöse, aufmerksame Polizist mit der etwas zu kleinen Uniform – muss auch diesmal erleben, wie er von Kommissarin Olga Lenski (Maria Simon) Befehle erteilt bekommt. Dabei ist er doch derjenige, der sich viel besser auskennt hier auf dem Land in Brandenburg und mit dem die Leute viel eher reden. Aber es wird hier in einem Mordfall ermittelt, und da zählt die Hierarchie.

Aus der Jauchegrube eines Bauernhofes birgt man eine Leiche. Es ist Martin Jahn (Niels Bruno Schmidt), der zu den 23 Personen gehört, die sich auf dem Nachbarhof der ökologischen Landwirtschaft verschrieben haben. Am Vorabend haben wir ihn noch in der Dorfkneipe streiten gesehen, es ging um den Zustand der Böden. Olga Lenski muss feststellen, dass die Lebensgefährtin des Toten eine alte Bekannte von ihr ist: Ruth Leiberg (Fritzi Haberlandt), die sie nach dem Abschluss der Schule aus den Augen verloren hat. Das große Thema dieses „Polizeirufs“, die Frage nach dem richtigen Leben, wird in der Beziehung dieser beiden Frauen gebündelt: Während Olga sich für eine Beamtenlaufbahn entschieden hat, ist Ruth ausgestiegen und hat sich für das Kommunenleben auf dem Land entschieden. Fritzi Haberlandt spielt das vielleicht deshalb so gut, weil sie sich selbst für ein Leben auf dem Land entschieden hat.

Das Eintauchen in dieses ländliche Milieu ist nicht dramatisch spannend, aber auf beiläufige Weise unterhaltsam, wie ein Frühlingstag auf dem Land. Wir kriegen keine ökologisch-esoterischen Bulldozer vorgeführt, die sich stets im Recht wähnen. Stattdessen haben wir es mit Menschen, die ohnmächtig vor einer großen Frage stehen: Kann das richtige Leben auch scheitern?

„Käfer und Prinzessin“, heute um 20.15 Uhr in der ARD