Ausstellung

Alte Schriften, kontrastreich dargestellt

Jüdischen Museum zeigt René–Braginsky-Sammlung

Freundlich blickt er einem entgegen, von diesem übergroßen Porträt am Einlass der Ausstellung, und trüge diese nicht seinen Namen im Titel, so könnte man ihn glatt für einen Besucher halten, so unscheinbar gemütlich wirkt er: René Braginsky, Unternehmer aus Zürich und seit mehr als drei Jahrzehnten leidenschaftlicher Sammler jüdischer Schriftkultur, die er dem Jüdischen Museum Berlin nun zur Verfügung gestellt hat. Er ist höchstselbst erschienen zu der Sonderausstellung, „Die Erschaffung der Welt. Illustrierte Handschriften aus der Braginsky Collection“, die nach nach Stationen in Amsterdam, New York, Jerusalem und Zürich nun in Berlin Halt macht.

Wer bei der Ausstellung altertümlich dargestellte, staubende Bucheinbände erwartet, der täuscht sich. Zusammen mit Architekten von Holzer Kobler Architekturen hat Braginsky für eine moderne und kontrastreiche Darstellung der bis in das 13. Jahrhundert zurückgehenden Schriften gesorgt. Drei intensive Farben weisen auf die Themenkomplexe der Ausstellung hin: die Bücher, die Ketubbot – der jüdische Hochzeitsvertrag – und die Megillot – die Esther-Rollen. „Bücher wie Vögel fliegen zu lassen“, so beschreibt Architektin Barbara Holzer im blauen Raum der Bücher ihre Ambitionen bei der künstlerischen Gestaltung der Räume. Und tatsächlich, die somit lebendig dargebotenen Werke gewinnen an Farbkraft und Ausdrucksfähigkeit.

An Bildschirmen lassen sich die Bücher virtuell durchblättern, auch eine App für das iPad gibt es. Neben einem Tora-Schreiber wird ab Juli ein in menschlicher Geschwindigkeit die Tora schreibender Roboter vor Ort zu beobachten sein. Dieser Roboter, der zur Erstellung des ersten Teils der hebräischen Bibel auch Feder und Tinte nutzt, soll vor allem auf die innere Einstellung des heiligen Tora-Schreibens aufmerksam machen, die bei ihm der Natur nach nicht vorhanden ist.

Ein Fokus der Ausstellung liegt auf der hohen Interkulturalität: Obwohl das Judentum sich einer eigenen Religion und Schrift bedient, gelten alle Stücke der Sammlung auch als ein Teil europäischer Geschichte und Kultur, da sie in verschiedensten europäischen Städten verfasst und illustriert wurden. So birgt eine Schrift aus dem Jahre 1491, in Spanien verfasst, vor allem auch spanische Geschichte; im Folgejahr wurden durch das Alhambra-Edikt zahlreiche Juden aus Spanien vertrieben.

Braginsky blickt glücklich drein, am Donnerstag vor der Ausstellungseröffnung. Die moderne Darstellung lag ihm sehr am Herzen. Denn letztlich, so Braginsky, wolle er ja auch die jüngeren Generationen erreichen.

Die Erschaffung der Welt. Jüdisches Museum, Lindenstraße 9-14, Mitte. Täglich 10-20 Uhr. Montags 10-22 Uhr. Bis 3. August. Katalog: 45,00 Euro.