Kulturausschuss

Herkunft der Werke interessiert nur wenige Museen

Experten loben Berlin für Umgang mit Raubkunst

Abgeordnete, die dem Kulturausschuss schon seit vielen Jahren angehören, mussten am Montag an die Diskussion um die Rückgabe des Gemäldes „Berliner Straßenszene“ (1913) von Ernst Ludwig Kirchner denken. Fast ein Jahr lang hat sich 2007 ein Sonderausschuss des Parlaments mit der Frage befasst, ob diese Restituierung zwingend notwendig war. Für viele Politiker war das damals Neuland, mittlerweile hat die KulturStaatsministerin Monika Grütters (CDU) angekündigt, die Bundesmittel für die Provenienzforschung von derzeit zwei auf vier Millionen Euro verdoppeln zu wollen und die Kräfte in einem Zentrum zu bündeln.

Berlin unterstützt diese Pläne, wie der amtierende Kultur-Staatssekretär Björn Böhning (SPD) im Rahmen einer Anhörung sagte, bei der es um den Umgang mit NS-Raubkunst ging. Die Experten stellten der Hauptstadt ein gutes Zeugnis aus. Was auch daran liegt, dass andere Bundesländer zurückhaltend sind. So hat Berlin bislang 23 Anträge auf Erforschung der möglicherweise zweifelhaften Herkunft von Kunstwerken gestellt, sagte Uwe Hartmann, der Leiter der Berliner Arbeitsstelle für Provenienzforschung, sagte. Zum Vergleich: Rheinland-Pfalz habe ein Projekt beantragt, das Saarland gar keines. Die bei den Berliner Museen angesiedelte Arbeitsstelle hilft diesen Einrichtungen und anderen öffentlichen Institutionen, ihren Bestand für die Jahre 1933 bis 1945 auf mögliches NS-Unrecht hin zu untersuchen.

Seit 2010 gibt es in Berlin auch einen Haushaltstitel, 300.000 Euro stehen derzeit jährlich für Einrichtungen zur Verfügung, damit die in ihren Beständen fahnden können. So hat die Zentral- und Landesbibliothek (ZLB) bislang 48.000 Bücher und andere Werke überprüft und 454 den alten Besitzern oder Erben zurückgegeben, sagte Böhning. Auch die Stiftung Stadtmuseum und die Berlinische Galerie recherchieren in ihren Beständen und mussten sich von Werken trennen.

Insgesamt aber steht die Provenienzforschung erst am Anfang. Hartmann bezifferte die Zahl der zu überprüfenden Exponate bundesweit auf etwa 90.000, erst bei fünf Prozent davon sei die Herkunft geklärt. Und von schätzungsweise 3000 betroffenen Museen hätten sich bislang erst etwa 350 mit diesem Thema beschäftigt.