Theater-Kritik

„Das Spiel ist aus“: Lust, Pomp und Pathos am Deutschen Theater

Für ihr Lächeln würde er sterben. Das Problem: Er ist bereits tot. Sie auch. Pierre, der Klassenkämpfer und Eve, die Upper-Class-Lady treffen sich erst, nachdem sie vom Gatten vergiftet und er auf der Straße erschossen wurde. Blöd, wenn sich das Leben als Probe für eine Liebe herausstellt, die nicht mehr lebbar ist, weil man die Bühne des Lebens gerade verlassen hat.

Dort auf der Bühne nämlich sitzen wir, die Lebendigen, platziert auf der Drehscheibe des Deutschen Theaters. Während die Toten unten durchs Parkett toben und mit ansehen müssen, was die auf der Welt Verbliebenen da treiben. Jean-Paul Sartre hat „Das Spiel ist aus“ 1943 als Filmdrehbuch geschrieben und als deterministisches Denkspiel: Wie viel Freiheit haben wir, zu leben, wie wir leben wollen? Wie „echt“ ist das Leben?

In der Fassung von Regisseurin Jette Steckel ist alles sehr echt, der Tod, das Drama, die Liebe sowieso. Mit großer Lust auf Pomp und Pathos pfeift sie auf Ironie und Verfremdung und setzt einen poetischen Budenzauber in Gang, dass einem zwischen opulenten Filmsequenzen, einem nebelumdampften Lichttunnel und dem Drehscheibengekreisel bisweilen Hören und Sehen vergeht. Vergeblich simulieren Fremdzitate polit-philosophischen Tiefgang. Übrig bleibt vor allem eine recht oberflächliche, aber immerhin hübsch romantisch bebilderte hollywoodreife Love-Story. Die unser Revoluzzer-Romeo (Ole Lagerpusch) und seine High-Society-Julia (Judith Hofmann) jedoch auch dann nicht zum guten Ende bringen können, als sie eine zweite Chance auf Erden bekommen. Wo der Tod die Liebe einfach, aber nicht lebbar machte, machen im Leben alte Muster und Egoismen die Liebe tot. Vertrackt. Oder wie Pierre es formuliert: „Wir sind ein nicht zu lösendes Problem“.