Interview

„Mit Frauen kann ich halt besser“

Dominic Raacke weint dem „Tatort“ keine Träne nach und startet nun neu durch

Er hat Schluss gemacht. Als Dominic Raacke vom RBB Bescheid erhielt, dass man ihn als „Tatort“-Kommissar in Rente schicken will, hat er eine letzte Abschiedsfolge abgelehnt. Und die Dienstmarke sofort abgegeben. Das ist ein halbes Jahr her. Anfang April nun ist Dominic Raacke gleich zweimal hintereinander in großen Fernsehfilmen zu sehen: erst am 4. April in „Mona kriegt ein Baby“ mit Barbara Auer im Ersten, dann am 7. April in „Das Glück der anderen“ mit Veronica Ferres im Zweiten. Wie geht es dem Exkommissar nach dem Abgang?

Berliner Morgenpost:

Herr Raacke, wie fühlen Sie sich als Exkommissar?

Dominic Raacke:

Es geht mir gut. Ich fühle mich befreit. Das habe ich ja schon im vergangenen Herbst gesagt, als ich meinen Abschied kundgetan habe. Aber jetzt, nach einem halben Jahr, kann ich bestätigen: Es war die richtige Entscheidung. Und es war auch richtig, sofort Schluss zu machen. Und nicht noch eine Abschiedsfolge zu drehen. Das hat vielleicht für ein bisschen Verwirrung gesorgt. Aber für mich war es gut.

Ihre letzte Folge lief im Februar. Kam da noch mal Wehmut auf?

Nein. Das war eher eine Bestätigung. Wir sind unseren Weg gegangen, wir hatten zuletzt ja einen echten Aufwärtstrend. Aber das war halt nicht konstant. Es gab immer Schwankungen. Und die letzte Folge war jetzt wieder eine etwas schwächere. Unsere vorletzte wäre der ideale Abschluss gewesen. Das war jetzt eher ein leises Entschwinden, ein polnischer Abgang.

Sie sind nun in der ersten Aprilwoche gleich in zwei neuen Fernsehfilmen zu sehen. Ist das eine unglückliche Fügung, wenn die so kurz hintereinander ausgestrahlt werden?

Überhaupt nicht. Jetzt kommt noch mal eine geballte Ladung und dann kommt der Strich. Danach beginnt eine neue Phase.

Man sieht den Filmen aber schon eine neue Gelassenheit an. War das, nach dem eher mürrischen Tatort-Kommissar, eine Wohltat, mal wieder etwas anderes zu spielen? Und liegen Ihnen Filmpartnerinnen wie Veronica Ferres in „Das Glück der anderen“ oder Barbara Auer in „Mona kriegt ein Baby“ womöglich mehr?

Ja. Ich finde, man spürt, dass ich mich geöffnet habe. Ich bin freier, durchlässiger. Und ja, ich glaube, mit Frauen kann ich besser. Das war schon immer so. Ich genieße es auch mit Regisseurinnen zu arbeiten. Frauen haben einfach einen anderen Blick auf Männer.

Ein halbes Jahr später – kann man da schon sagen, dass mehr Rollenangebote kommen? Weil Sie verfügbarer sind?

Nein. Als erstes wurde mir eine Krimiserie angeboten. Aber das war jetzt nicht unbedingt das Nächste, was ich machen wollte. Ich gehe die Sache ganz entspannt an. Ich war in der letzten Zeit sehr präsent, jetzt kann ich ruhig mal für eine Weile von der Bildfläche verschwinden.

Hat man als Schauspieler auch mal Existenzängste?

Nein, dafür mache ich das schon zu lange. Mit dem „Tatort“ hatte ich eine gute, stetige Einnahmequelle mit zwei Filmen im Jahr. Diese Sicherheit ist jetzt weg, klar. Aber ich konnte davor auch damit umgehen. Das traue ich mir auch jetzt wieder zu.

Sie haben früher mit Ralf Huettner auch Drehbücher geschrieben. Ist auch das wieder eine Option?

Wir schreiben nach wie vor. Nur wird es immer schwieriger, das auch finanziert zu bekommen. Wir haben drei Teile von „Die Musterknaben“ realisiert. Ein vierter ist lange geschrieben, aber wurde bis heute nicht produziert. Wir haben noch einige andere Projekte, die ich gerne realisieren möchte. Aber auch da bin ich unverzagt. Das wird weitergehen. Ich entwickele gerade eine Serie. Und hoffe sehr, Verbündete zu finden.

Als neue Berliner „Tatort“-Kommissare wurden Meret Becker und Mark Waschke angekündigt. Wie schätzen Sie Ihre Nachfolger ein?

Es steht mir nicht zu, das zu werten. Warten wir ab. Ich wünsche ihnen alles Gute. Ich wünsche ihnen vor allem gute Drehbücher. Das ist das, was wir alle brauchen.

Jetzt müssen ja auch die Leipziger Kommissare gehen. Beim „Tatort“ herrscht eine wahre Umbruchstimmung. Was ist da nur los?

Das kann ich nicht sagen. Der „Tatort“ hat sich aber immer dadurch ausgezeichnet, dass er sich stetig verändert und neue Teams dazukamen. Von daher bleibt sich die ARD treu. Das finde ich auch gut so. Um den „Tatort“ mache ich mir keine Sorgen, der wird seinen Weg weiter gehen. Es ist das Fernsehen, das sich ändern muss.

Inwiefern?

Das Fernsehen ist im Aufbruch. Und im Aufbrechen. Das Fernsehen, wie wir es kennen, geht langsam zu Ende. Es wird weiter „Bügelfernsehen“ geben, das im Hintergrund vor sich hin plätschert und uns ein bisschen Wärme vermittelt. Aber es wird auch ein selektiveres, spezielleres Fernsehen kommen. Fernsehen, das wieder komplexer erzählt und herausfordert. Darauf hoffe ich als Kreativer, der in dem Medium tätig ist. Als Schauspieler wie als Autor. Es muss ein Ruck gehen durchs deutsche Fernsehen.

Und wird der kommen?

Ja, da bin ich mir sicher. Alle klagen doch. Die Schauspieler, die Autoren, die Produzenten. Da brodelt etwas. Viele in der Branche sind nicht zufrieden mit dem, was gerade läuft. Natürlich auch angesteckt durch dieses großartige amerikanische Fernsehen, das uns seit Jahren ein Vorbild ist und uns zeigt, welche Möglichkeit das Medium bietet. Wie es uns mitnehmen kann, uns fesselt und begeistert. Da fragen sich viele: Warum können wir nicht auch endlich mal so was anfangen? Die Unzufriedenheit ist da und sie wird wachsen. Und es wird etwas Neues entstehen. Davon bin ich überzeugt.

Schauen Sie eigentlich selbst fern?

Dem herkömmlichen Fernsehen bin ich abhanden gekommen. Das lockt mich nicht mehr. Ich schaue hin und wieder rein, um ein Gefühl zu bekommen für das, was los ist. Manchmal ist es schmerzhaft und unerträglich, aber es gibt Lichtblicke und ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass wir es schaffen werden, uns neu zu erfinden.