Festival

Es war nicht alles schlecht

Deutsches Theater blickt bei Autorentheatertagen auf ältere Stücke zurück

Dass sich der Intendant des Deutschen Theaters (DT) auch für Fußball interessiert, erkennt man auf einen Blick: Die Autorentheatertage 2014 fangen am 5. Juni an, enden diesmal schon nach zehn Tagen am 14. Juni und damit pünktlich vor dem ersten Auftritt der deutschen Fußball-Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft in Brasilien. Das nennt man gutes Timing.

Die Verkürzung ist aber nicht die einzige Neuerung dieses Festivals der zeitgenössischen Dramatik, das der heutige DT-Chef Ulrich Khuon vor 20 Jahren in Hannover ins Leben rief und anschließend nach Hamburg ans Thalia Theater und später nach Berlin mitnahm. „Brauchen wir wirklich jedes Jahr so viele neue Stücke wie T-Shirts bei H&M?“, fragt Till Briegleb, der diesjährige Juror der Autorentheatertage auf der Pressekonferenz im Deutschen Theater. Eine rhetorische Frage, die zum Motto des Festivals führt: „Innehalten“ ist das überschrieben – und deshalb gibt es weniger neue Stücke als in den Vorjahren. Briegleb hat sich nämlich für eine „selbstkritische Bestandsaufnahme entschieden“, weil, abermals als rhetorische Frage formuliert, das „stetig wachsende Angebot für Gegenwartsdramatik vielleicht weniger zu Autorenförderung als zum marktähnlichen Verschleiß von Talent führt?“

Also gibt es sowohl zur Eröffnung als auch zur abschließenden „Langen Nacht der Autoren“ ausschließlich Stücke zu sehen, die in den vergangenen Jahren bei den Autorentheatertagen gesiegt haben. Damit will der Juror einen Blick auf „verlorene Perlen“ werfen, auch um zu schauen, „ob das immer noch Gute nicht vielleicht mehr Aufmerksamkeit verdient als das ewig Neue“.

Zum Auftakt inszeniert Stephan Kimmig „Tag der weißen Blume“ von Farid Nagim, die Aufführung soll anschließend ins Repertoire aufgenommen werden. Etwas weniger aufwändig in Werkstatt-Inszenierungen zeigen die Autorentheatertage in der „Langen Nacht“ die Stücke „Protection“ von Anja Hilling, „Die Herzschrittmacherin“ von Rolf Kemnitzer und „the killer in me is the killer in you my love“ von Andri Beyeler. Als szenische Lesung wird „Der Weichselzopf“ von Simon Werle ebenfalls zum Abschluss präsentiert.

Naturgemäß freut man sich als Berliner besonders über Gastspiele von weiter entfernten Bühnen, bei denen man sich dann eine Reise sparen kann. Das Theater Basel zeigt die Christoph-Marthaler-Inszenierung „Das Weisse vom Ei“ (7. Juni), die Münchner Kammerspiele kommen mit René Polleschs „Gasoline Bill“ (9. Juni), das Schauspiel Hannover mit dem Dokudrama „Soldaten“ (Regie: Thomas Dannemann), um ein paar Gastspiele zu nennen. Abgerundet wird das Festival mit einem umfangreichen Rahmenprogramm.