Ausstellung

Ai Weiwei: „Über eine Geiselnahme kommt niemand hinweg“

Was gefällt Ai Weiwei selbst am besten an seiner weltweit bisher größten Ausstellung, die in wenigen Tagen im Martin-Gropius-Bau ihre Tore öffnet?

„Mein Lieblingsstück ist die Tatsache, dass ich nicht an der Ausstellung teilnehmen darf“, sagt der 56-Jährige in einem Interview der Nachrichtenagentur dpa in Peking. „Das ist ein Kunstwerk an sich.“ Es spiegele eine „menschliche Verfassung“ wider. „Wie viele Ausstellungen gibt es in dieser Welt, wo der ausstellende Künstler nicht dabei sein kann, weil es ihm nicht erlaubt wird?“, sagt er.

Auf den Tag genau drei Jahre nach seiner Festnahme 2011 wird die Ausstellung „Evidence“ am 3. April eröffnet. „Über eine Geiselnahme kommt niemand hinweg“, sagt Ai Weiwei. „Jemanden in Haft zu halten, heißt immer, ihm das Recht auf Leben abzusprechen.“ Bis heute darf er nicht ins Ausland reisen, wird bewacht. Viele Chinesen wollten das Land verlassen. „Es ist eine Gesellschaft ohne Vertrauen.“ So gebe es auch keine Werte, die es zu schützen gelte. Die 6000 Hocker in seiner Ausstellung symbolisierten die alten Familienstrukturen und den Wertewandel. „Moral und Qualität der Familie sind zerstört.“