Fernsehen

Die Abenteuer einer Finanzbeamtin

Katja Riemann jagt als „Fahnderin“ große Steuerbetrüger

Gibt es das eigentlich schon: eine Bibliothek lustiger Schnittbilder? Wann immer Filmschaffende das alltägliche Leben ihrer Hauptfiguren stimmungshaft ins Bild setzen wollen, laufen diese Bilder vor uns ab, stets unterlegt mit Musik. Jemand träumt vom großen Reichtum? Wir sehen Geldbündel ins Bild segeln und Münzen regnen, dazu gibt es entweder „Money Money Money“, „Money makes the world go round“ oder „Wenn ich einmal reich wär“. Ein Paar hat sich frisch verliebt? Wir sehen es Arm in Arm lachend aus dem Kino kommen, Zuckerwatte kaufen und kichernd fangen spielen, Soundtrack dazu: irgendwas aus der „Without you“-Liga. Das alles ist oft erprobt und altbekannt. Was aber, wenn die Steuerfahdnung Aktenablage macht? Dann wird es natürlich spannend.

Die Antwort findet sich in Züli Aladags Film „Die Fahnderin“. Die Steuerfahndung hat ja als Sujet für Krimis ohnehin mit einigen Handicaps zu kämpfen. Zugegeben: Prominente Delinquenten wie Klaus Zumwinkel, Alice Schwarzer und natürlich Uli Hoeneß mögen ihrem Ermittlungsbereich eine gewisse aktuelle Brisanz geben. Aber sie darf doch so vieles nicht, was jeder dahergelaufene Kriminalkommissar wie selbstverständlich darf: Wild in der Gegend herumballern etwa oder sich Verfolgungsjagden liefern. Alles, was Karola Kahane (Katja Riemann) machen kann, besteht darin, Dinge zu zücken: Ihre Dienstmarke, oder, wenn es hoch kommt, auch mal einen Durchsuchungsbeschluss.

Es beginnt damit, dass das Land Nordrhein-Westfalen eine CD mit Dateien einer Schweizer Bank kauft, wie es im wirklichen Leben ja auch schon mehrfach passiert ist. Es sind über 800 Personen, deren Kontodaten sich darauf befinden. Kahane beschließt, zunächst einen besonders prominenten Steuersünder ins Visier zu nehmen, um so die Zahl der Selbstanzeigen anderer zu steigern.

Und dieser Prominente ist Benedikt Sämann, Vorstandsvorsitzender der Voltag, der sich viel auf die Rettung tausender Arbeitsplätze zugute hält und bald das Bundesverdienstkreuz erhalten soll. Der aber eben auch Millionenbeträge in Koffern über die Schweizer Grenze schaffen ließ. Alexander Held spielt ihn mit derselben bösartig grundierten Arroganz, mit der er auch schon NS-Funktionäre und andere Bösewichter zum Leben erweckt hat. Seiner Gegenspielerin verleiht Katja Rieman eine Mischung aus Entschlossenheit und Fragilität – sie stellt Steuerbetrüger und korrupte Behördenchefs souverän in den Senkel, gerät aber bei der ersten einfühlsamen Frage ihres Arztes ins Schluchzen.

Und was passiert nun also, wenn ein ehrenwertes Mitglied der Gesellschaft aus derselben herausgelöst und an den Pranger gestellt werden soll? Es gibt eine Menge Ärger, natürlich. Ärger nicht nur von seiten des Sämann-Anwaltes (Ralph Herforth), der natürlich alles unternimmt, um seinen Mandanten rauszuhauen. Ärger vor allem auch aus den eigenen Reihen, aus den Tiefen der Steuerbehörde, wo sich plötzlich ungeahnte Widerstände formieren. Welche Rolle spielt etwa Kahanes direkter Vorgesetzter, der ein etwas aufdringliches Kölsch sprechende Schmidt-Rohrbach (Waldemar Kobus)? Welche Agenda verfolgt der Generalstaatsanwalt (Götz Schubert), mit dem sie eine Affäre hat? Was führt der seltsame von Henze (Andreas Schröders) im Schilde, der Geldbote Sämanns?

Das alles sind interessante Fragen, die Spannung hält. Sie trägt auch über manchen verrutschten Satz hinweg („Lösch diese Kahane aus!“). Auch über eine, wenn man schon nörgeln will, manchmal etwas altbackene Figurenkonstellation. Und schließlich über lustige Schnittbilder, die uns zu dramatischer Musik aus allen Perspektiven zeigen, wie Akten aufgeklappt, Vermerke gelocht und Kontostände umkringelt werden.

ARD, 20.15 Uhr.