Konzert

Es funktioniert: Kammermusik im Jüdischen Museum

Im Mai findet „Intonations“ statt – das Programm steht

Das Kammermusikfestival „Intonations“ der Pianistin Elena Bashkirova findet vom 7. bis 11. Mai zum dritten Mal im Jüdischen Museum statt. Normalerweise hat die Klassik ja in Museen, die von der Laufkundschaft tagsüber leben, nichts zu suchen. Aber inzwischen ist das Jerusalem International Chamber Music Festival dort in aller Selbstverständlichkeit angekommen. Das merkt man vor allem daran, dass die Museumsleute bereits über die Anfänge scherzen können. Programmchefin Cilly Kugelmann erzählt, dass sie beim ersten Mal, als alle Museumsleute aufgefordert waren, immer in den Konzerten dabei zu sein, angesichts des Programms gestöhnt habe: „Wie halte ich das aus?“ Inzwischen leide sie an Entzugserscheinungen, sagt sie.

Mojca Erdmann wird kommen

Der knapp einwöchige Musikbetrieb hat dem Jüdischen Museum zu ganz neuen Erkenntnissen verholfen. Das vergleichsweise noch junge Museum in Kreuzberg ist marketingtechnisch hervorragend aufgestellt und bestens besucht. Aber die Besucher sind nach zwei Stunden wieder verschwunden. Das Museum ist eine Art Schaufenster.

Plötzlich aber kommen Besucher angereist und machen es sich mehrere Tage lang im Glashof bequem, lauschen, genießen, schlendern durchs Museum, diskutieren. Und applaudieren von Abend zu Abend mehr, wie Cilly Kugelmann beobachtet hat. Diese Identifikation mit der doch sehr elitären Kammermusik hat offenbar die Macher überrascht. Inzwischen plant Elena Bashkirova das Festival bis 2016.

Diesmal widmet sich das Festival zwei Jahrestagen und ihren Auswirkungen auf die Musik: Es geht um den Beginn des Ersten Weltkriegs vor 100 Jahren und die Geburt des Komponisten Richard Strauss vor 150 Jahren. Genau genommen gehe es ihr um die Brücke von der Tradition zur Moderne. Eine Zeit, in der „alles explodiert ist, auch musikalisch“. Zur Aufführung werden neben Strauss-Werken auch Stücke von Zeitgenossen wie Debussy, Reger und Ravel kommen. Darüber hinaus hat Elena Bashkirova den fast vergessenen Komponisten Rudi Stephan für sich entdeckt, der 1887 in Worms Geborene galt als eine große Komponistenhoffnung, fiel aber im Ersten Weltkrieg.

Daniel Barenboim, der Ehemann der Festivalleiterin, wird diesmal nicht mit dabei sein, er ist mit seiner Staatskapelle auf Tournee. Dafür ist Sohn Michael Barenboim als Geiger präsent. Als Künstler sind Mojca Erdmann, Andras Schiff, Andreas Ottensamer, Angela Denoke, Robert Holl, Dominique Horwitz sowie Kolja Blacher angekündigt. Und natürlich Elena Bashkirova.