Konzert

Status Quo in Originalbesetzung stehen ständig unter Hochdruck

Die Fans sind mit ihren Idolen gealtert. Das fällt am Dienstagabend in der O2 World auf.

Und nicht alle haben sich so gut gehalten wie die beiden umtriebigen Mittsechziger Francis Rossi und Rick Parfitt, die seit gut 50 Jahren gemeinsam mit Status Quo Rockgeschichte geschrieben haben.

Der Rockgeschichte wird an diesem Abend vor rund 5000 Besuchern auch extrem gehuldigt. Denn im Rampenlicht steht die Status-Quo-Originalbesetzung, neben den Gitarristen und Sängern Rossi und Parfitt sind dies Bassist und Sänger Alan Lancaster und Schlagzeuger John Coghlan. Zusammen haben sie vom Ende der 60er-Jahre bis 1981 den harten Boogie-Sound geprägt, der Status Quo berühmt gemacht hat. Gespielt werden deshalb ausschließlich Stücke aus den Siebzigern, in einem Programm, das die unter dem Beinamen „The Frantic Four“ firmierenden Power-Senioren in Berlin zuletzt 1975 in der Deutschlandhalle aufgeführt hatten.

Lässig in Jeans und Sneakers stehen die Musiker im gleißenden Licht. Keine Show-Fisimatenten, keine Videowände, eine Mauer aus Marshall-Boxen und -Verstärkern formt das Bühnenbild. Und in gestochen scharfem Sound eröffnen Status Quo mit der Coverversion von Steamhammers „Junior’s Wailing“ diese gut 90 Hochdruck-Minuten.

Die ersten vier Stücke singt Alan Lancaster, bevor Francis Rossi beim Hit „In My Chair“ mit seiner Quo-prägenden Stimme den Posten am Mikrofon übernimmt. Die Halle tobt und stampft mal mehr, mal weniger im Rhythmus. Keine Zeit für leise Töne. Bei „Little Lady“ und vor allem „Rain“ hat Rick Parfitt seinen großen Auftritt am Mikrofon, „Railroad“ schnürt einem bei diesem Tempo fast die Luft ab und „Down Down“ ist einer der furiosen Höhepunkte dieser kompakten, druckvollen Show, die keinen Moment lang staubig wird. Die Stücke klingen in ihrer virtuosen Schlichtheit allesamt frisch und unverbraucht. Die Coverversion des „Roadhouse Blues“ der Doors steht, ja, wie damals, am Ende dieses energiesprühenden Kraftakts.

Nach den Zugaben, traditionsgemäß gibt’s Chuck Berrys „Bye Bye Johnny“ als Rausschmeißer, machen sich die treuen Besucher zufrieden auf den Heimweg. Und vielleicht sind sie in dieser Nacht gefühlt auch wieder ein bisschen jünger geworden.