Pro

Ja zu Jagger

Sebastian Zabel ist Chefredakteur des „Rolling Stone“

Nein, ich denke nicht, dass ein Rolling-Stones-Konzert heute auch nur annähernd das ist, was es vor 45 Jahren einmal gewesen sein muss: ein erregendes, aufrührendes Rock’n’Roll-Spektakel. Und ja, ich werde mir die dienstälteste Rockband der Welt trotzdem anschauen.

Es könnte die letzte Chance dazu sein. Und die Waldbühne ist natürlich ein herrlicher und angemessener Ort, um vier Menschen zu bestaunen, die Rockgeschichte geschrieben haben und ein paar Generationen als das rebellisch-raue Gegenmodell zu den musikalisch natürlich interessanteren Beatles dienten. Beatles oder Stones? Auf welcher Seite stehst du? So einfach teilte sich die Popkultur in zwei Lager. Spätestens seit Punkrock fragt das natürlich niemand mehr. Und für meinen 13-jährigen Sohn sind die Stones so fern wie Walther von der Vogelweide.

Dennoch. Diese vom Leben gegerbten und vom Arzt kaum gestrafften, diese ins kollektive Weltkulturgedächtnis gebrannten Heldenfiguren leibhaftig auf einer Bühne zu erleben, das ist dann doch etwas ziemlich Einmaliges. Und, ja, klar spielen sie ihre Hits, von „Jumpin’ Jack Flash“ bis „Satisfaction“, sogar den großartigsten von allen, „Gimme Shelter“ (bei den neueren Songs, die sie halt auch spielen, kann man dann ja Bier holen gehen). Dabei darf man bequem in der lauen Luft sitzen und durchs Opernglas gucken: Da vorne, da auf der Bühne, das sind sie wirklich. Irgendwann gibt es sie nur noch als Hologramme. Oder, viel besser, als Erinnerung.