Museen

Hommage für Schlossbaumeister Andreas Schlüter

Eine große Ausstellung mit 200 Werken im Bode-Museum

Soll mal einer sagen, die Götter seien immer keusch. Amphitrite mit dem langen, wallenden Haar hat gerade einen fetten Transportgurt umgelegt bekommen und wird auf den gegenüberliegenden Sockel gehoben. Nun schaut Neptun schräg zu ihr herüber. „Er ist der Spanner“, lacht Chef-Restaurator Bodo Buczynski. Manchmal zählt eben nicht nur Kunstgeschichte, sondern auch der Sinn für das Dramaturgische und Empathie für den Künstler und dessen Interpretation.

Der Chef-Restaurator des Bode-Museums ist dabei, die letzten Arbeiten für die große Andreas-Schlüter-Schau anlässlich dessen 300. Geburtstages abzuschließen. Die beiden Götter gehören in der Kamekehalle zu den vier erhaltenen Figuren aus dem reichen Fassadenschmuck der ehemaligen Kameke-Villa in der Dorotheenstraße. Hoch oben auf dem Dach grüßten sie einst die Ankommenden. Schlüter war der Barockbaumeister Berlins und das Gebäude von 1711/12 war sein letztes. Insgesamt 16 Werke gehören heute in den Bestand des Bode-Museums, 200 Exponate werden in der Ausstellung zu sehen sein, Leihgaben aus Paris und Rom, aber auch aus dem Berliner Stadtmuseum. Seit Jahrzehnten überhaupt die erste umfassende Würdigung des Mannes, der Berlin zu einem gewissen Glanz verholfen hatte. Dazu gehören Werke wie die prächtige Kanzel für die Marienkirche, das imposante Reiterstandbild am Schloss Charlottenburg oder das Zeughaus. Für die meisten bleibt Schlüter am engsten verbunden mit dem Berliner Schloss. Friedrich hatte für den Umbau und die Erweiterung des Komplexes Schlüter, der aus Danzig kam, berufen. Noch wird in Berlins Mitte gebaut, doch wenn das Schloss einmal im Inneren das Humboldt-Forum beheimatet, wird außen die barocke Fassade wieder an Schlüter erinnern.

Gerade noch ist ein Restaurator mit dem Büstenfragment des Mars beschäftigt, es gehört auch zur Kameke-Truppe. „Vorsicht Rissbildung“, so hieß der Arbeitsauftrag. Doch tatsächlich drohte der Kopf abzufallen. Der wurde neu aufgesetzt, mit Dübeln fixiert und die Risse geschlossen. Ein Aquarellkasten und viele schmale Pinsel zeugen von feinster Retusche, die an der Büste – zumindest für den Laien – kaum sichtbar sind. Die Rußspuren bleiben. Schließlich soll Geschichte eingeschrieben bleiben.

Schlüter machte am Hof gewaltig Karriere, Zeitgenossen bewunderten ihn damals gar als „Michelangelo des Nordens“, Italien jedenfalls war ein Quell seiner Inspirationen. Nach dem Tod Friedrichs wurde er aus dem Hofdienst entlassen. Der Zar rief ihn in seine Dienste, so reiste Andreas Schlüter nach St. Petersburg. Schon ein Jahr später starb er.

Bode-Museum, Am Kupfergraben, Mitte. Ab 4. April bis 13. Juli.