Besuchszahlen

Triumph der Theater

2013 war in Berlin ein sehr erfolgreiches Bühnenjahr: Mehr Zuschauer und steigende Auslastung

Berlins Bühnen boomen: Die Auslastungszahlen waren schon 2012 gut – und sind trotzdem im vergangenen Jahr erneut gestiegen. Die großen Sprechbühnen zählen 843.000 Zuschauer, rund 27.000 mehr als 2012. Die Auslastung steigt von 74 auf 77 Prozent. Derselbe Trend ist bei den Opernhäusern zu beobachten: Ein Plus von 30.000 Besuchern, insgesamt schauen sich 727.000 Menschen die Vorstellungen an. Fast sensationell die Entwicklung beim Friedrichstadt-Palast. Das Revuetheater berichtet über ein Plus von 77.000 Gästen bei insgesamt 522.000 Zuschauern, die Auslastung steigt auf 91 Prozent.

Einige Einrichtungen haben die Besuchszahlen in Jubelstimmung bereits am Jahresanfang veröffentlicht, jetzt liegen die amtlichen vor, ergänzt durch weitere wirtschaftliche Kennzahlen. Auf 41 Seiten hat die Senatsverwaltung für Kultur die Werte für die vom Land finanziell unterstützten Betriebe zusammengetragen. Deshalb fehlen in der Statistik private Betreiber und Stücke wie „Hinterm Horizont“ oder „Gefährten“.

Bei den großen Sprechbühnen sind schon die Produktionszahlen beeindruckend: Im vergangenen Jahr bringen Volksbühne, Berliner Ensemble, Schaubühne, Maxim Gorki und Deutsches Theater auf ihren großen und kleinen Spielstätten zusammen 164 Neuproduktionen heraus, es gibt 3537 Vorstellungen – im Schnitt also etwa zehn pro Tag.

Berliner Ensemble vorn

Mit 196.000 Zuschauern hat das Berliner Ensemble (BE) den größten Zuspruch unter diesen fünf Häusern. Die Zahl der Besucher steigt um 14.000, die Auslastung von 79 auf 83 Prozent. Auch bei der Eigenwirtschaftlichkeit, dahinter verbirgt sich das Verhältnis zwischen Einnahmen und Zuschüssen, ist Intendant Claus Peymann mit 25,7 Prozent spitze, auch bundesweit ein beachtlicher Wert.

Die Schaubühne kommt auf 23,6 Prozent – und damit in der Gruppe der „big five“ auf den zweiten Platz. Bei der Auslastung liegt das Haus am Lehniner Platz mit 85 Prozent an der Spitze, der beste Wert unter der künstlerischen Leitung von Thomas Ostermeier, wie die Senatsverwaltung schreibt. Im vergangenen Jahr besuchen 112.000 Zuschauer die 455 Vorstellungen, ein Zuwachs von 12.000 im Vergleich zu 2012. Daneben absolvierte das Ensemble noch 81 Gastspiele. Ebenfalls ein Spitzenwert – und eine Werbung für die Kulturstadt Berlin.

In diesen Dimensionen legt auch die Volksbühne von Intendant Frank Castorf zu, die Zahl der Besucher steigt von 143.000 auf 155.000. Die Auslastung sinkt trotzdem von 76 auf 73 Prozent, weil die Zahl der Vorstellungen sich deutlich von 646 auf 748 erhöht. Ebenfalls gesunken ist die Eigenwirtschaftlichkeit, die bei der Volksbühne 2013 bei vergleichsweise bescheidenen 13,5 Prozent liegt. Das Deutsche Theater kommt auf 18,8 Prozent, eine deutliche Verbesserung im Vergleich zum Vorjahreszeitraum (16,5 Prozent). Bei den Zuschauern kann das von Ulrich Khuon geleitete Theater leicht zulegen: Ein Plus von 1000 sorgt bei gleichzeitiger Reduzierung der Vorstellungszahl von 844 auf 784 für eine Steigerung der Auslastung von 73 auf 77 Prozent.

Ausreißer in dieser Gruppe ist das Maxim Gorki Theater. Die Zahl der Zuschauer geht um 11.000 auf 69.000 zurück, aber schließlich war das Haus wegen des Intendantenwechsels länger geschlossen. Erst im November 2013 eröffnete Shermin Langhoff ihre Auftaktsaison. Die Auslastung liegt im Gesamtjahr bei 75 Prozent und damit deutlich höher als 2012 mit 69 Prozent.

Mehr Touristen in der Oper

Der Besucher-Boom schließt auch die Musiktheater ein. Die von Jürgen Flimm geleitete Staatsoper, immer noch im Ausweichquartier Schiller-Theater untergebracht, kann die Zuschauerzahl um 3000 auf 192.000 steigern, die Auslastung bleibt konstant bei 83 Prozent, die Eigenwirtschaftlichkeit liegt bei 20,9 Prozent. Die Komische Oper zählt 189.000 Besucher und damit 8000 mehr, außerdem konnte Intendant Barrie Kosky sich nicht nur über den Titel „Opernhaus des Jahres“ freuen, sondern auch bei der Auslastung von 66 auf 73 Prozent zulegen. Das Staatsballett, das in allen drei Opernhäusern auftritt, steigert seine Auslastung unter Vladimir Malakhov von 75 auf 79 Prozent und erreicht 110.000 Zuschauer, 1600 mehr als 2012.

Den größten Zuwachs verzeichnet die Deutsche Oper mit einem Plus von 17.000 Zuschauern, insgesamt besuchen 235.000 Menschen die 224 Vorstellungen, von denen 147 auf der Hauptbühne stattfinden. Die Auslastung steigt auf 77 Prozent, die Eigenwirtschaftlichkeit auf 23,6 Prozent. Neben dem attraktiven Angebot, eine Standarderklärung der Intendanten für steigende Kartennachfrage, führt Dietmar Schwarz, Chef der Deutschen Oper, die Zuwächse auch auf den zunehmenden Tourismus in der Stadt zurück. Oper ist für fremdsprachige Zuschauer zugänglicher als eine Vorstellung im Sprechtheater, wo nur gelegentlich Übertitel angeboten werden, weil man die Opernhandlung nachlesen kann und Musik allgemeinverständlich ist.

Demnach müssten sich in den Konzerthäusern kaum freie Plätze finden. Das trifft am ehesten auf die Philharmoniker zu, die mit 260.000 zwar 14.000 Zuschauer weniger haben als 2012, aber trotzdem die Auslastung auf 89 Prozent steigern, weil sie die Zahl der Gastspiele erhöhen und die Auftritte in Berlin entsprechend reduzieren. Das Konzerthaus am Gendarmenmarkt erreicht mit 158.000 Besuchern einen Zuwachs um 2000, gleichzeitig steigt die Auslastung von 68 auf 75 Prozent.

Das ist umso beachtlicher, da bundesweit die Zahl der Konzertbesucher sinkt. Vielleicht setzt Berlin ja einen neuen Trend. Auf jeden Fall aber wird es angesichts der hervorragenden Besucherzahlen schwer, dieses hohe Niveau zu halten.