Bühne

Brandgefährliche Show

Florian Silbereisen sorgt beim Fest der Feste für Knisterstimmung

Da schießen die Funken nach oben, in die sich verjüngende Spitze des Gebäudes. Florian Silbereisen trägt ein Miles-Davis-T-Shirt, das kann man genau erkennen. Den linken Arm streckt er nach oben. Silbereisen ist ein Rockstar. Er und seine Freundin Helene Fischer sind die Stars, die das angestaubte Irgendwas mit Volksmusik von Andy Borg und Karl Moik radikal verjüngt haben. Zum Fest der Feste lädt Silbereisen ins Tempodrom. Den DJ Ötzi hat er mitgenommen und eine A-cappella-Band, die Voxxclub heißt.

Sein Publikum ist schon größtenteils seniorig, aber dazwischen tanzen Kinder. Eben noch das Akkordeon umgehängt, ist der Flori jetzt der süddeutsche Robbie Williams. Und noch mal einen Halbton höher und wieder von vorne. Auf einem riesigen Bildschirm platzen die Raketen. „Und jetzt, die Hände nach oben“, ruft er. Und das fast komplett gefüllte Tempodrom wirft die Hände nach oben.

Nach einem Maibaum-Song von Voxxclub macht Silbereisen den Summtest. Er geht also ins Publikum und setzt seinen Fans Kopfhörer auf. Über die hören sie dann ein Lied, was sie mitsummen sollen. Es trifft also Emmi, eine liebe Dame um die 80. Aber Emmi summt nicht. Manchmal macht sie ein lalala, „jetzt ist sie drin“, meint Silbereisen und hält der Dame das Mikrofon vor den Mund. „In den Arm“, ruft Emmi. Und die ganze Halle tobt. Nicht weil jemand vorgeführt wird, sondern weil es einfach bezaubernd lustig ist. Emmi gibt dem Flori schließlich einen Kuss. Silbereisen ist ein Meister der Verkleidungen. Das Fest der Feste ist eine wahre Varieté-Schau. Er also im roten Pyjama mit lauter Männern, die sich auf die Bühne legen. Peter Alexanders „So richtig nett, ist’s nur im Bett.“ Danach kommt er im Sakko wieder. Und dann steht er sogar oben ohne da.

Das Fest der Feste ist von einer Knisterstimmung durchzogen. Irgendwo zwischen kitzelndem Heuboden und Kicherknutschen unterm Gipfelkreuz. Da wird der Mister Lederhose durch einen Liegestützenwettbewerb gewählt. Den gewinnt der Julian von Voxxclub. Ein krasser Typ mit Sixpack. Und wieder knistert es gewaltig. „Den Julian können wir nicht empfehlen. Der ist brandgefährlich.“ Fehlt nur noch, dass der Silbereisen „dieser Schlingel“ sagt. DJ Ötzi singt ein „Sweet Caroline“, er singt von seinem Stern, vom Anton aus Tirol. Tausende Hände klatschen aufeinander. Hände. Anton. Hände. Stern, der Deinen Namen trägt. Mitsingen. „Und noch mal. Und jetzt alle.“ Und alle singen mit. Die Männer schauen lächelnd auf ihre Frauen. Eine Pause gibt es auch. „Sie warten jetzt schon auf den Startschuss zum Wettrennen auf die Toilette“, verkündet Silbereisen durch sein Mikrofon. „Deswegen machen wir jetzt 25 Minuten Pause. Und für alle, die’s vergessen haben. Die Damentoiletten sind immer da, wo die Schlange am längsten ist.“

Das ist ein guter Abend für Berlin. Weil Berlin seit langem nicht mehr solch giggelnden Spaß, solch kindliche Freunde empfinden konnte. Einige kaufen sich in der Pause den Volksmusik-Macht-Spaß-Küchenhandschuh, andere wiederum die Florian-Silbereisen-Kuschelmaus mit Autogramm, und bei den Damen erfreut sich besonders der praktische Handtaschen-Regenschirm größter Beliebtheit.

Ein Breakdancer kommt noch, der einen Headspin Strip hinlegt. Er dreht sich also auf seinem Kopf um die eigene Achse und steht danach nur in Shorts auf der Bühne. Der Flori küsst noch ein paar Damen auf den Mund. Er rennt durch die Halle, macht zehn Fotos mit Fans, singt dabei fünf Lieder, von Anita, von Michaela, von Maja und wie sie alle heißen. Florian Silbereisen könnte sogar mit verbundenen Augen ein brennendes Flugzeug auf einer viel zu kurzen, glatteisigen Landebahn sicher auf die Erde bringen. Das Fest der Feste ist eine Punktlandung.