Debüt

Wenn ein Mann auf einen Schlag Job und Frau verliert

Die Schauspielerin Franka Potente hat mit „Allmählich wird es Tag“ ihren ersten Roman vorgelegt.

Sachlich doch zugleich gefühlvoll ist darin ein Mann in den Endvierzigern beschrieben, der zugleich seinen Job und seine Ehefrau verliert: Benommen von Schmerz, Alkohol und Drogen sucht er nach Antworten. Die Autorin wirft ein Schlaglicht auf die Folgen der Finanzkrise und verwebt das mit der Lebenswelt der Mittelklasse-Schicht in Los Angeles. Es ist aber auch eine Geschichte über die Kraft der Veränderung. „Wie ein gefällter Baum lag er da“ – das ist die erste Beschreibung von Protagonist Tim Wilkins. Ein 49 Jahre alter Investmentberater, der seit fast 30 Jahren in seinem Haus in Los Angeles lebt. Irgendwann hatten er und seine Ehefrau Liz einen Pool anbauen lassen. Freunde und Golfen. Ihr gemeinsamer Sohn Derek wuchs hier auf, heute erfolgreich im Filmgeschäft tätig. Das ist das Leben an der Oberfläche.

Potente, bekannt aus Tom Tykwers Film „Lola rennt“ und der Literaturverfilmung „Elementarteilchen“, arbeitet mit Zeitsprüngen und vielen Spannungsbögen. Der Roman wird mit einem Vorgriff eingeleitet, der aus dem hinteren Teil entlehnt ist. Als Tim regungslos am Pool liegt, nachdem er die Möbel hineingeworfen und angezündet hat. Ist er tot? Weiterer Spannungstrick: Der Leser erwartet eine Begegnung zwischen Tim und seiner Frau – Potente spannt ihn auf die Folter. Nach und nach lässt sie ihren Protagonisten so in einer Art Zwischenwelt zwischen dem Gestern und dem Morgen eine Entwicklung durchleben – Tim beginnt zu begreifen und irgendwann schöpft er Hoffnung auf bessere Zeiten.

Franka Potente: Allmählich wird es Tag. Piper Verlag, 304 Seiten, 19,99 Euro