Szene

Touristen kommen wegen der Kultur in die Stadt

Kulturausschuss debattiert über Besucher-Befragung

Verliert Berlin seine Coolness? Der amerikanische „Rolling Stone“, der sich als Trendsetter sieht, hat den Abgesang auf die Metropole begonnen. Ein Indikator für das Magazin ist dabei, dass sich in schon länger angesagten und damit in jedem Reiseführer erwähnten Klubs wie dem Berghain so viele Touristen auf der Suche nach dem viel beschworenen Berghain-Feeling machen, dass selbiges auf der Strecke bleibt.

So eine echte oder vermeintliche Trendwende ist auf den ersten Blick ein Fall für das Kultur-Monitoring. Seit 2008 untersucht die Berlin Tourismus und Kongress GmbH in Zusammenarbeit mit teilnehmenden Einrichtungen die Frage, welche Rolle die Hauptstadt-Kultur für den Tourismus spielt. Das wollte am Montag auch der Kulturausschuss des Abgeordnetenhauses wissen, deshalb gab es eine Anhörung mit Tourismus-GmbH-Geschäftsführer Burkhard Kieker und Marion Mair, die bei der Deutschen Oper für Vertrieb und Marketing zuständig ist.

Leider hielten sich die Erkenntnisse in Grenzen. Das lag nicht nur daran, dass die Klubkultur in dieser Umfrage ausgeklammert ist. Weil das die Abgeordneten verwunderte und Kiekers saloppe Erklärung, dass man bei Umfragen in der Berghain-Schlange nach Mitternacht eher Probleme als verwendbare Aussagen bekäme, nicht so gut ankam, schickte er hinterher, dass dieser Bereich durch andere Umfragen erfasst sei. Außerdem sei die Teilnahme am Monitoring kostenpflichtig, was seiner Einschätzung nach ein Grund dafür ist, dass die freie Szene bislang nicht teilgenommen habe.

Fakt ist: 85 Prozent der Museen- und 90 Prozent der Gedenkstättenbesucher sind Touristen, fünf von sieben Berlin-Besuchern geben an, dass sie wegen der Kultur in der Stadt gekommen sind. Und Kulturtouristen bleiben im Schnitt mit 4,2 Tagen deutlich länger als die anderen. Details wollte Kieker mit Hinweis auf die Vertraulichkeit der Daten nicht mitteilen. Die Häuser wollten schließlich durch die Befragung ihre Schwächen erkennen, aber die nicht der Konkurrenz offenbaren. Marion Mair sagte immerhin, dass die Deutsche Oper jetzt wisse, welche Zeitungen, Zeitschriften oder Web-Seiten von den Besuchern genutzt werden, um dort gezielt Anzeigen zu schalten.

Bis 2017 wird die Studie fortgesetzt, auch Hamburg und München hätten Interesse signalisiert, sagte Kieker. Und für den Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) hat die Untersuchung belegt, dass für Berlin-Touristen die Kultur ein wichtiger Besuchsgrund ist und auch deshalb Investitionen in diesem Bereich sinnvoll sind. Also ein Argument für die Haushaltsverhandlungen. Und ein gutes dazu.