Operette

Die Geschwister Pfister erfüllen sich einen alten Traum

Christoph Marti brilliert als „Clivia“ an der Behrenstraße

20 Jahre danach: Es war 1994, als die Geschwister Pfister erstmals in einer Operette spielten. „Im weißen Rössl“ in der Bar jeder Vernunft. Eine triumphale Produktion. Es gab noch eine zweite, „The Voice of Snow White“ im Hebbel-Theater, die aber weniger erfolgreich war. Dennoch wollten die Drei immer noch mal zusammen groß Operette machen. Und während sie sich als Kabarett-Geschwister in letzter Zeit rar machten, hat sich Christoph Marti alias Ursli Pfister die Musical/Operetten-Schiene zunehmend ausgebaut, etwa mit „Hello Dolly“ in Bern oder „Die Csárdásfürstin“ in Köln, wo er, selbstredend, die Titelrolle spielte. Erst vergangenen September feierten die Geschwister fröhliche Wiederauferstehung in der Bar, mit dem Programm „Wie wär’s, wie wär’s“. Jetzt erfüllt sich doch noch der große Traum: gemeinsam die Operette „Clivia“ spielen, was sie seit 20 Jahren vorhaben. Das ist sogar ein Heimspiel: Erstmals spielen sie auf einer Berliner Opernbühne.

Wer nun einen Geschwister-Pfister-Abend erwartet, wird enttäuscht. Als Trio sind sie ja fest eingespielt, da wissen sie zu improvisieren, mit sich zu spielen. Hier aber haben sie feste Rollen, bleibt keine Zeit zur Improvisation. Und „Clivia“ ist eine Operette, die vielleicht zurecht vergessen ist. Zu vorhersehbar die Handlung. Und die Melodien kann man schon auf dem Heimweg nicht mehr vor sich herpfeifen. Christoph Marti, also Ursli als Clivia ist ein grandioser Spaß. Einen tieferen Sinn wird der Travestie aber nicht gegeben. Obwohl Andreja Schneider ein strammes Amazonenkorps anführen darf und das alles, gerade zur Premiere am Weltfrauentag doch ein schöner Anlass gewesen wäre, um geschlechtsspezifische Klischees durch den Kakao zu ziehen.

Eine Operette über einen (nicht glückenden) Staatsstreich zu inszenieren, ohne einen einzigen Seitenhieb auf Putin oder andere politische Querschüsse zu riskieren, das muss einem auch erst mal gelingen. Die Pfisters im Opernhaus, das ist schon der ganze Reiz dieses Abends. Ein wenig mehr hätte man daraus, wie wär's, wie wär's, doch noch machen können.

Komische Oper, Behrenstr. 55-57, Mitte. Kartentel: 47 99 74 00. Nächste Termine: 14., 20., 28. 3., 20. u. 26.4..