Medien

György Konrad warnt vor Hysterie wegen Krim-Krise

Ungarischer Schriftsteller kritisiert Berichterstattung

Der ungarische Schriftsteller György Konrad (80) hat die Berichterstattung in westlichen Medien über die Krim-Krise kritisiert. „Die mediale Hysterisierung mit Aufschreien wie ‚Steht schon der Krieg vor unserer Haustür’ kann eine krankhafte europäische Stimmung produzieren“, sagte Konrad am Freitag. Es drohe eine nichtrationale Analyse der Lage. Konrad zog Parallelen zur Stimmung vor dem Ersten Weltkrieg. Die Gefahr eines Krieges auf der Krim sehe er aber nicht.

Kritik übte Konrad, der am Sonntag in Kiel die Buber-Rosenzweig-Medaille erhält, an der „nebulösen russischen Militäraktion auf der Krim, die beendet werden muss“. Zugleich kritisierte er das Parlament in Kiew, das die ukrainische Sprache zur einzig legitimen im Land erklärt habe. Denn so würden die Bürger- und Freiheitsrechte von anderen kulturellen Identitäten im Land, etwa der Russen wie der Ungarn, beschnitten.

„An erster Stelle müssen die persönlichen Grundrechte jedes Menschen stehen, so wie im Grundgesetz der Bundesrepublik“, sagte Konrad. Die nationale und politische Souveränität – auch der Ukraine – habe sich diesen Rechten unterzuordnen. „Es ist kein sakrosanktes Dogma, dass heute alle Staatsbürger der Ukraine unterworfen sind“, sagte Konrad. Und sollte es zu einem Trennungsreferendum kommen, „dann sind alle Menschen auf der Krim Moskau unterworfen: Beide Alternativen sind unmenschlich und blöd“, meinte Konrad.

Als mögliche politische Lösung nannte Konrad eine doppelte Staatsbürgerschaft. Ein Referendum auf der Krim über einen Anschluss an Russland hält Konrad derzeit für nicht notwendig und sinnvoll wegen der aufgeheizten Lage. „Prinzipiell finde ich ein Referendum aber nicht rechtswidrig.“ Es könnte vielleicht zu einem späteren Zeitpunkt in einer ruhigeren Lage stattfinden. Voraussetzung seien aber kluge, genaue Fragen. „Wenn die Fragen eines Referendums nicht konsensual sind, dann wäre es irreführend“, sagte Konrad.

Die Europäische Union und die Großmächte USA und Russland müssen nach Ansicht des überzeugten Europäers „irgendwie nachdenken über die Gebiete, wo Minderheiten miteinander leben und verschmolzen sind“. Es gehe darum, die Doppel-Staatsbürgerschaft in solchen Gebieten zu legitimieren.