Deutsche Oper

Raus aus dem Haus

Die Deutsche Oper wird ein halbes Jahr lang saniert und verlegt ihre Premieren und Projekte auch an ungewöhnliche Orte

Für ihre „Auswärtssaison“ wirbt die Deutsche Oper und man reibt sich schon ein wenig verwundert die Augen. Die große Charlottenburger Oper schließt für ein halbes Jahr, um sich eine komplett neue Obermaschinerie einbauen zu lassen. Insgesamt kosten die Sanierungsmaßnahmen 20 Millionen Euro. Im Gegensatz zur Staatsoper Unter den Linden – die 2010 für ihre Generalsanierung ins Schiller Theater ausgewichen war und seither dort festsitzt, weil sich die Baumaßnahmen in die Länge ziehen – hat man sich an der Deutschen Oper für eine dreijährige Häppchen-Sanierung entschieden.

In den beiden letzten Jahren war es allerdings kaum aufgefallen, weil es sich nur auf wenige Monate im Sommer bezog. In diesem Jahr muss man aber schon von Schließung sprechen: Anfang Juni ist erst einmal Ende, am 28. November soll wieder die „Carmen“ gezeigt werden. Wenn alles gut geht. Intendant Dietmar Schwarz und Generalmusikdirektor Donald Runnicles zeigten sich bei der Jahresvorschau am Freitag ziemlich gelassen. Vielleicht muss man das auch sein angesichts solcher Baumaßnahmen.

Nur vier große Premieren

Ganz beiläufig wird auch ausgeplaudert, dass bereits eine beteiligte Baufirma in Insolvenz gegangen ist und man umplanen musste. Es ist eine kuriose Idee, die Eröffnungspremiere von Iannis Xenakis „Oresteia“ am 9. September ins Parkhaus der Deutschen Oper zu verlegen. Das Publikum bekommt „mobile Hocker“, wie es heißt. Es ist ein Steckenpferd des Intendanten, jeweils zeitgenössisches Musiktheater zu Saisonbeginn zu zeigen. Zuletzt fand es im Foyer rauf und runter statt, diesmal darf man wenigstens wieder sitzen. Mit der zweiten Premiere von Benjamin Brittens Kammeroper „Die Schändung der Lucretia“ geht man am 15. November ins Haus der Berliner Festspiele.

Beiläufig ist ein Gastspiel des Béjart Ballet Lausanne im Tempodrom angekündigt. Das überrascht aber in mehrfacher Hinsicht. So spielt das Orchester der Deutschen Oper unter Leitung von Runnicles. Der doch eher konservative Operndirigent tritt im Tempodrom auf. Außerdem ist das Ganze eine Kooperation mit dem Staatsballett Berlin, das dann bereits vom Vladimir Malakhovs Nachfolger Nacho Duato geleitet wird. Im Kleingedruckten wird mitgeteilt, dass Polina Semionova in Béjarts „Bolero“ tanzt. Die russische Primaballerina, die sich mit Malakhov überworfen hatte und seither nicht mehr in Berlin auf der Bühne zu erleben war, wird demnach am 17. Oktober offiziell zum Staatsballett zurückkehren.

Dabei schwärmte Donald Runnicles gestern eigentlich von einer anderen Tanzikone. „Eine grandiose Frau“, sagte er und meinte Sasha Waltz. Der Berliner Choreografin hat Stardirigent Daniel Barenboim an seiner Staatsoper schon einen roten Teppich ausgerollt. Runnicles hatte dort 2009, als er in Berlin sein Amt als Generalmusikdirektor antrat, „Dido und Aeneas“ gesehen und fand es grandios. Am 18. April 2015 steht er nun selbst am Pult, wenn Sasha Waltz ihre choreografische Inszenierung von Hector Berlioz’ „Romeo und Juliette“ zeigt. Berlioz ist auch ein Lieblingskomponist von Runnicles.

Insgesamt sind in der verkürzten Saison 2014/15 nur vier große Premieren angekündigt. Und falls sich die Sanierung etwas hinziehen sollte, ist offenbar auch ein Puffer eingebaut. Die erste Premiere im aufgefrischten Großen Haus findet erst am 25. Januar statt. Donald Runnicles dirigiert Dmitri Schostakowitschs „Lady Macbeth von Mzensk“. Die Regie führt der Norweger Ole Anders Tandberg. Warum er das macht? – die Nachfrage erübrigt sich wenn man das Kleingedruckte liest. Der Schostakowitsch ist eine Koproduktion mit der Den Norske Opera Oslo.

Rolando Villazon inszeniert

Bemerkenswerter ist, dass Tandberg von Hause aus ein Theatermann ist. Wer sich die vier angekündigten Premieren diesbezüglich anschaut, weiß, dass den traditionellen Opernregisseuren, jenen mit Studium und Diplom, schwere Zeiten bevorstehen dürften. Das alte Opernregie-Handwerk scheint immer weniger gefragt zu sein, die Quereinsteiger sind in Mode. Sasha Waltz ist Choreografin, Tandberg Schauspielregisseur und Philipp Stölzl deutlich bekannter als Filmregisseur. Er bringt am 19. Juni 2015 Charles Gounods „Faust“ zur Premiere. Den Namen Stölzl verbinden Berliner Opernbesucher auch eher mit der Staatsoper. Beide Intendanten, Jürgen Flimm wie Dietmar Schwarz, behaupten, Stölzl für die Opernbühne entdeckt zu haben. Flimm als Chef in Salzburg, Schwarz in Basel. Flimm wäre etwas früher gewesen, gibt Schwarz jetzt zu. Aber den „Faust“ hat Stölzl bereits im deutlich kleineren Haus in Basel gemacht. Die Grundidee wird er auf die große Deutsche Oper übertragen.

Der vierte Regisseur ist zweifellos eine Überraschung: Rolando Villazon wird sein Regiedebüt in Berlin geben. Er bringt am 8. März Puccinis „La Rondine“ auf die Bühne. Darüber hinaus wird der mexikanische Tenor viermal den Don Carlos singen.