Rundfunk

104.6 RTL bleibt in Berlin vorn

Ergebnisse der ersten Hörfunk-Media-Analyse 2014: Berliner Rundfunk, Klassik Radio und Teddy verlieren überdurchschnittlich viele Hörer

Wer als Radioprogramm die meisten Hörer hat, verkauft am leichtesten seine Werbeplätze und verdient am meisten Geld. Kein Wunder also, dass viele Sender am Mittwoch die Ergebnisse der ersten Hörfunk-Media-Analyse des Jahres 2014 mit reichlich Emotionen verkündet haben. So auch der Sender Antenne Brandenburg, der sich schon knapp eine Stunde nach Bekanntgabe der Marktforschungszahlen in den 10-Uhr-Nachrichten über seine insgesamt 236.000 Hörer und damit seine Marktführerschaft in den Märkten Brandenburg und Berlin/Brandenburg freute.

Betrachtet man hingegen nur den Markt Berlin, so ist 104.6 RTL mit 119.000 Hörern in der Durchschnittsstunde weiterhin das meistgehörte Programm, auch wenn der Privatsender hier seit der letzten Erhebung im vergangenen Sommer 4000 Hörer und somit 3,3 Prozent seiner Hörerschaft verloren hat. Stephan Schmitter, Geschäftsführer des RTL Radio Center Berlin, will weiterhin auf die verschiedenen Verbreitungsarten seines Programms via Antenne, Web und App setzen. Man sei „da, wo unsere Hörer sind”, sagt er und verweist auf die Spitzenposition seines Programms.

Inforadio verliert Hörer

Platz zwei im hart umkämpften Berliner Markt geht an die rbb-Welle radioeins (80.000 Hörer), die leicht verliert (-1,2 Prozent). RadioBERLIN 88,8 ist nun wieder im Aufwind (77.000 Hörer; +6,9 Prozent) und belegt somit Platz drei im Hauptstadt-Ranking. Die Ergebnisse dieser beiden öffentlich-rechtlichen Sender dürften wesentlich dazu beigetragen haben, dass Claudia Nothelle, Programmdirektorin des RBB, eine „wachsende Akzeptanz der RBB-Radiosender“ ausmacht. Besorgniserregend sind jedoch die Zahlen ihres Inforadios: In Berlin verliert das Nachrichtenprogramm 5,3 Prozent seiner Hörerschaft, in Brandenburg sogar 22,2 Prozent. Immerhin: Das werbefreie Kulturradio verliert nur leicht und verzeichnet eine Tagesreichweite von zwei Prozent.

Platz vier in der Hauptstadt belegt das zu RTL gehörende 105,5 Spreeradio (67.000 Hörer; -5,6 Prozent), Platz fünf das Popradio 94,3 rs2 (60.000 Hörer). In absoluten Hörerzahlen konnte diesmal das Jugendprogramm des rbb am meisten zulegen: Das aus Potsdam sendende Fritz schafft im Markt Berlin ein sattes Plus von 32,3 Prozent und kommt somit nun auf 41.000 Hörer. Auch JAM FM Berlin gewinnt hinzu, und zwar 7.000 Hörer (+30,4 Prozent).

100,6 Flux FM erweitert seine Fangemeinde auf 17.000 Menschen (+30,8 Prozent), das christliche Radio Paradiso auf 19.000 (+11,8 Prozent). Hörer verloren hingegen haben Jazz Radio (-14,3 Prozent), 98.8 KISS FM (-3,6 Prozent) sowie BB RADIO (-8,3 Prozent), 94,3 rs2 (-6,3 Prozent) und STAR FM 87.9 (-7,8 Prozent). Besonders hart getroffen hat es auf dem Berliner Markt das Kinderradio TEDDY: 7.000 Hörer haben sich verabschiedet, was ein Minus von 28 Prozent bedeutet. Und Klassik Radio verliert im Sendegebiet Berlin sogar ein ganzes Drittel seiner Hörerschaft, der Berliner Rundfunk 91.4 20.000 Hörer und somit 27,4 Prozent.

In Brandenburg siegt Antenne

Im Markt Brandenburg bleibt Antenne Brandenburg vom rbb mit 168.000 Hörern meistgehörter Sender. 1.000 Hörer gingen jedoch im vergangenen halben Jahr verloren (-0,5 Prozent). Platz zwei geht ans private BB RADIO, das 12.000 Hörer (+9,9 Prozent) und somit die meisten im Bundesland Brandenburg hinzugewinnt. Ebenfalls zulegen können ENERGY Berlin sowie radio B2 (beide +3.000 Hörer), dessen Geschäftsführer Oliver Dunk den Zugewinn auf seine „Mischung aus kompetent aufbereiteter Information, Schlagern und Deutsch-Pop“ zurückführt. Platz drei in Brandenburg geht an 104.6 RTL, das hier allerdings 11,1 Prozent seiner Hörerschaft verliert.

Betrachtet man die Radiomärkte Berlin und Brandenburg zusammen, führt Antenne Brandenburg vom rbb mit 220.000 Hörern (+1,4 Prozent) in der sogenannten Durchschnittsstunde das Feld der meistgehörten Sender der Region an. Es folgen 104.6 RTL (191.000 Hörer; -6,4 Prozent), BB RADIO (155.000 Hörer; +6,9 Prozent), radioeins vom rbb (116.000 Hörer; -0,9 Prozent) und radioBERLIN 88,8 (107.000 Hörer; +4,9 Prozent).

Ein Blick auf ganz Deutschland zeigt, dass sich die ARD über täglich mehr als 700.000 Extra-Hörer für ihre Radioprogramme freuen kann. Die Media-Analyse hat ergeben, dass 39,7 Millionen Hörer ein öffentlich-rechtliches Programm einschalten. Das ist immerhin der für ARD beste Wert seit 1992. Lutz Marmor, derzeit Vorsitzender der ARD, liest aus den aktuellen Zahlen eine „ungebrochene Beliebtheit des Radios“ heraus.

Tatsächlich ist die sogenannte Hördauer trotz der Konkurrenz von Internet und Fernsehen leicht gestiegen. Bei den jungen Hörern ist die Reichweite des Mediums insgesamt gewachsen: 71,6 Prozent der unter 30-Jährigen hören täglich Radio, natürlich oft auch per Internet-Livestream.

Nicht nur in Berlin und Brandenburg, sondern besonders auch im Süden und Westen der Republik dürfte am Mittwoch bei vielen Sendern gefeiert worden sein: Meistgehörtes Programm Deutschlands bleibt mit 1,33 Millionen Hörern pro Durchschnittsstunde der bayerische Privatsender Antenne Bayern. Das öffentlich-rechtliche SWR 3 aus dem Südwesten kommt auf 1,15 Millionen Hörer im deutschen Gesamtmarkt. Platz drei belegt das junge WDR-Programm 1LIVE (1,12 Millionen Hörer).

Insgesamt hören in Deutschland 58,64 Millionen Menschen ab zehn Jahren Radio. Die sogenannte Verweildauer, die zeigt, wie lange am Stück gehört wird, liegt derzeit konstant bei täglich 249 Minuten, also etwas mehr als vier Stunden.

In der Media-Analyse, die zweimal pro Jahr durchgeführt wird, wird die Radionutzung in Deutschland telefonisch abgefragt. „Hörer pro Durchschnittsstunde“ entspricht dabei dem Mittelwert aller Hörerinnen und Hörer eines Programms in einer Stunde zwischen 6 und 18 Uhr von Montag bis Freitag. Das Wochenende bleibt unberücksichtigt.