Künstler

Ai Weiwei soll endlich seinen Pass zurück bekommen

Berliner Freunde des Künstlers machen Druck auf die Politik

Er darf zwar weiter in seinem Atelier am Pekinger Stadtrand arbeiten und seine Werke im Ausland zeigen, nicht jedoch in seinem Heimatland. „Das einzige Kunstwerk, das in China von ihm zu sehen ist“, sagt Galerist Alexander Ochs, „ist das Fahrrad vor seiner Tür, in das er jeden Tag frische Blumen steckt.“ Mit einer neuen Initiative wollen Freunde des chinesischen Künstlers Ai Weiwei in Deutschland nun endlich eine Ausreisegenehmigung für den Regimekritiker erreichen. Der heute 57-jährige Künstler soll am 3. April an der weltweit bisher größten Ausstellung seiner Werke im Martin-Gropius-Bau teilnehmen können.

Ai Weiwei selbst berichtet in einer neuen Videobotschaft, er habe bei den Behörden in Peking die Rückgabe seines Reisepasses erneut beantragt. „Falls sie ihn mir nicht geben, möchte ich zumindest einen klaren Grund dafür genannt bekommen“, fordert er sichtlich angespannt. „Die ganze Geschichte verfolgt ihn schon sehr persönlich“, sagt der Berliner Galerist Ochs, der zusammen mit dem Kunstexperten und Rechtsanwalt Peter Raue Ende Februar für drei Tage bei Ai Weiwei in Peking zu Besuch war.

Raue hat dort Unterlagen, Schriftsätze und Dokumente eingesehen. „Es gibt kein einziges Verfahren und keinen einzigen Vorwurf gegen Ai Weiwei. Es gibt auch keine staatliche Erklärung, warum ihm der Reisepass nicht ausgehändigt wird“, betonte Raue. So sei zwar über die von seiner Frau mitgegründete Firma „Fake“ eine Steuerstrafe von umgerechnet 1,8 Millionen Euro verhängt worden. Ai Weiwei sei an dem Unternehmen aber nie beteiligt gewesen. Den dennoch von ihm hinterlegten Sicherungsbetrag von 900.000 Euro hätten die Behörden nie abgerufen. „Für dieses Verhalten gibt es nur die Erklärung, dass die chinesischen Steuerbehörden das Verfahren offenhalten und als Druckmittel benutzen – warum auch immer“, so Raue. Sein Bericht soll auch der Bundesregierung zugeleitet werden.

Darüber hinaus wiederholt Klaus Staeck, Präsident der Akademie der Künste, öffentlich seine Einladung an das Mitglied Ai Weiwei, damit dieser bei der Akademietagung im Mai dabei sein kann. Er forderte Bundeskanzlerin Angela Merkel auf, sich bei den Gesprächen mit der chinesischen Regierung Ende März nachdrücklich für das Anliegen einzusetzen. Er würde erwarten, so Staeck, dass die Regierung dabei nicht nur Smalltalk mache, sondern auch die schwierigen Fälle bespricht. Dazu zähle der Fall Ai Weiwei.