Geschichte

Emil Noldes Rolle in der NS-Zeit soll aufgearbeitet werden

Farben-Rausch im Städel: Das Frankfurter Museum zeigt den expressionistischen Maler Emil Nolde (1867-1956).

Zu sehen sind rund 140 Gemälde, Aquarelle und Druckgrafiken. Auf zwei Stockwerken wird das Gesamtwerk Noldes chronologisch aufgearbeitet. Der Rundgang beginnt mit den frühen – noch impressionistisch anmutenden – Seestücken. Im Zentrum stehen die bekannten Blumenmotive und Landschaften. Ein Raum vereint Berliner Nachtszenen, ein anderer jene Bilder, die Nolde auf einer Forschungsreise in Neuguinea malte.

Als Schritt „vom optisch äußerlichen Reiz zum empfundenen inneren Wert“ verstand Nolde seine religiösen Darstellungen. Das neunteilige Wandbild „Das Leben Christi“ ist das größte Exponat der Ausstellung. Zu den kleinsten Werken zählen die „ungemalten Bilder“, die in der NS-Zeit entstanden. Noldes Rolle im Nationalsozialismus steht nicht im Mittelpunkt der Ausstellung – aber im Fokus der Aufmerksamkeit.

Der Maler war überzeugter Anhänger Hitlers, viele Briefe belegen seine antisemitische Haltung. Dennoch wurde der Künstler mit Berufsverbot belegt, seine Werke wurden als „entartet“ diffamiert. Nach dem Zweiten Weltkrieg galt Nolde dadurch als Inbegriff des verfolgten Künstlers. Der Direktor der Nolde-Stiftung in Seebüll, Christian Ring, nannte Noldes Verhältnis zum Nationalsozialismus „ambivalent“: „Es ist Zeit, dieses Themenfeld umfassend aufzuarbeiten.“