Gedenken

Großmeister des Autorenfilms: Alain Resnais ist tot

Verwirrungen, komplizierte Intrigen und das Spiel im Spiel: Seine Experimentierfreudigkeit ließ Alain Resnais zum Großmeister des französischen Autorenfilms werden.

„Mich interessiert, ob man dies und jenes auch im Kino zeigen kann. Ich suche immer nach etwas Neuem“, erklärte der Bretone aus Vannes. Auf der Berlinale zeigte er vor wenigen Wochen „Aimer, boire et chanter“ – seinen jüngsten und letzten Film. Mit 91 Jahren ist der „Bastler, der mit dem Kino spielt“ am Sonnabend in Paris im Kreis seiner Familie gestorben.

Als Spielfilmregisseur hatte Resnais mit „Hiroshima, mon amour“ debütiert. Dieser Film über das Grauen nach dem Abwurf der Atombombe ist zu einem Kultfilm geworden wie auch „Letztes Jahr in Marienbad“. Für diesen in den Schlössern Nymphenburg und Schleißheim sowie in der Münchner Residenz gedrehten Film schrieb der verstorbene „Neue-Roman“-Autor Alain Robbe-Grillet das Drehbuch. Mit diesem surrealistischen Oeuvre gewann Resnais 1961 den Goldenen Löwen in Venedig.

Zu seinem Ruf als Experimentalist und intellektueller Filmemacher war er vor allem in den 60er-Jahren gekommen. In dem Science-Fiction- Film „Je t’aime, je t’aime“ verwirrte er mit seinem komplizierten Spiel mit Zeit- und Realitätsebenen, und in „Provence“ von 1976 konfrontierte er die Zuschauer mit dem Sterben und den Fantasien eines kranken Schriftstellers. Je älter der Mitbegründer der französischen Nouvelle Vague wurde, desto grotesker und verrückter wurden seine Filme. In seinem Opus „Das Leben ist ein Chanson“ (On connait la chanson) wechseln die Schauspieler zwischen Dialogen und Playback. Sie singen im Originalton die Chansons von Charles Aznavour, Edith Piaf und Johnny Hallyday. Für diese Gesellschaftskomödie über die heile Welt der Lieder und die Wunden des Lebens erhielt Resnais 1998 gleich sieben „Césars“.