Theater

Verräterische Fotos

Das Schlosspark-Theater fasst mit der Komödie „Öffentliches Eigentum“ ein heißes Eisen an

Geoffrey Hammond ist Journalist und Nachrichtensprecher, einer der bekanntesten des Landes. Das ist seine öffentliche Seite. Dann gibt es da noch die andere, die private. Der private Goeffrey droht den öffentlichen zu vernichten, als er eines Nachts von Fotografen erwischt wird, wie er mit einem 16-Jährigen, den er zuvor auf einem Hotelparkplatz kennen lernte, Sex in seinem Auto hat. Es gibt pikante Bilder und einen verräterischen Geldschein auf dem Armaturenbrett. Die Stricher-Affäre des Anchorman?

Ein ziemlich heißes Eisen hat das Schlosspark-Theater da angepackt mit seiner Inszenierung des von Sam Peter Jackson verfassten Stückes „Öffentliches Eigentum“. Der Ordnung halber sei festgehalten: Der Text ist bereits fast fünf Jahre alt, die Uraufführung fand 2009 in London statt und als deutschsprachige Erstaufführung stand es bereits auf dem Spielplan des Schlosspark-Theaters, bevor der Fall Edathy Wellen schlug. Aber natürlich denkt man aktuelle Fälle mit.

Ist das Schlosspark-Theater, dieser Steglitzer Hort gepflegter Abendunterhaltung, nun tatsächlich der richtige Ort, um diesen Diskurs zu führen, um diesen Stoff auf die Bühne zu bringen? Es ist! Vielleicht ist es sogar der beste aller möglichen Orte, weil die Komödie die Mittel hat, sich der Verurteilung zu entziehen. Zumindest so, wie Regisseur Michael Bogdanov sie einsetzt: Er pointiert die Szenen und Dialoge punktgenau, er unterlegt den brisanten Stoff mit einer Komik, die weder das Thema noch die Figuren verrät. Beides allerdings auch nicht verdruckst schützt. Im Gegenteil: Die Details der Car-Sex-Begegnung werden sehr explizit erzählt, es gibt innige Männer-Küsse und Zärtlichkeiten.

Auch die Figuren legt er clever an. In der Rolle des gefallenen Anchorman: Ausgerechnet Rainer Hunold, der Mann, der als „Dr. Sommerfeld“ oder als Anwalt in „Ein Fall für zwei“ sich stets auf die Seite der Bedürftigen schlug. Wie seine unterdrückte Lust hier im Gewand intellektueller Souveränität und tapsiger Harmlosigkeit daher kommt, das passt hervorragend. Sein Gegenpart als sein Pressesprecher Larry ist Ulrich Gebauer, ein aufgekratzer Wortverdreher, ein Medien-Profi im weißen Leinenanzug, Geoffreys letzte Hoffnung. Er soll den Karren aus dem Dreck ziehen, steckt aber selbst mit beiden Beinen im medialen Sumpf. Arne Gottschling schließlich versieht seinen Lustknaben Jamie einerseits mit unschuldig-ungestümem Welpencharme, andererseits möchte er gerne berühmt werden, mit Hilfe eines prominenten Nachrichtensprechers?

Im Hintergrund der Bühne flackern die Blitzlichtgewitter der vor der Tür lauernden Fotografen, Szenenwechsel werden auf die Rückwand projiziert: ein Wald, ein Parkplatz, eine Wohnstraße. Auf dieser Rückwand untersucht in einem Einspieler auch eine simulierte TV-Sendung den „Fall Hammond“. Als Moderator agiert Dieter Hallervorden, Gesprächsgast im Studio ist Hape Kerkeling und in der Außenschalte: Jan Hofer. Eine herrliche Idee. Ein wirklich gelungener Abend ist das geworden.

Schlosspark-Theater, Schloßstr. 48. Tel. 7895667100 Termine: 3., 26., 29.3.