Musical-Kritik

Witzig, bunt, nackt: „Käfig voller Narren“ im Spiegelzelt

Die Macher der Bar jeder Vernunft haben sich nach der Operette „Im weißen Rössl“ und dem Musical „Cabaret“ erneut einen Bühnenklassiker vorgenommen, um ihn für das schmucke Spiegelzelt in Wilmersdorf kompatibel zu machen.

Und haben ein Stück zurück nach Berlin geholt, das vor gut 30 Jahren am Theater des Westens seine deutschsprachige Erstaufführung erlebt hatte: das Musical „La Cage aux Folles – Ein Käfig voller Narren“. Regisseur Bernd Mottl, der der Neuköllner Oper bereits einige Erfolge bescherte, beweist ein sicheres Gespür für familiäres Chaos, das bei aller Überdrehtheit nie Gefahr läuft, zur Klamotte zu werden. Und er kann sich bei dieser Liebesgeschichte in schrillem Milieu auf ein kleines, feines Ensemble verlassen. Die Travestietruppe des „Cage aux Folles“, die Cagelles, ist hier von einem guten Dutzend auf vier Sänger und Tänzer geschrumpft, die bei ihren furiosen Auftritten mit Witz und Verve und viel nackter Haut glänzen. Als Restaurantbesitzerin Jacqueline ist Carry Sass zu erleben. Als heimlicher Star des Abends entpuppt sich Fausto Israel, der als Butler Jacob für jede Menge Lacher sorgt.

Das schwule Liebespaar Georges und Albin wurde mit Peter Rühring, 71, und Hannes Fischer, 66, so ideal wie altersgerecht besetzt. Sie gehen völlig auf in ihren Rollen, Rühring als der wortgewandte Lebemann, Fischer als so derbe wie verletzliche Matrone Albin, die als „Zaza“ in wallenden Roben daherkommt. Die ideenreichen Kostüme hat Falk Bauer von der Komischen Oper entworfen. Und natürlich ist da auch noch die Musik. Das Stück hat melodieselige Lieder wie „Mit Dir im Arm“ oder „Die schönste Zeit“ aufzubieten. „Mascara“ ist eine wehmütige Ballade und der Coming- Out-Song „Ich bin was ich bin“ der große Hit des Stücks, der von Gloria Gaynor in die Discos der Welt getragen wurde. Es sind merklich gestandene Schauspieler und keine Sänger, die da agieren. Dieses knapp drei Stunden dauernde Kammermusical macht gute Laune. Der Schlussapplaus ist frenetisch.