Theater-Kritik

Deutsches Theater: Machtspiele hinter stählernen Zinnen

Feine Familie: Da nennt der eine Bruder den anderen eine „widerliche, stinkende Ratte“ und der Vater wünscht seinen drei Söhnen, die sich um seinen Thron zanken, nichts weniger als „die Pest an den Hals“.

Bei der Sippe von Henry II., König von England, liegen die Nerven blank. Autor James Goldman entwickelte aus diesem Stoff unter dem Titel „Der Löwe im Winter“ 1965 eine mittelalterliche Familien-Soap mit historischem Personal aus dem 12. Jahrhundert. Am Broadway war sie nur mäßig erfolgreich, auf der Kinoleinwand dafür umso mehr, drei Oscars gab es 1969, einen für Katharine Hepburn in der Rolle der Königin.

Auch Sebastian Hartmann, der das Stück jetzt fürs Deutsche Theater inszenierte, setzt auf die Herrschergattin und platziert sie in einem düster-monumentalen Bühnenambiente. Almut Zilcher ist seine Königin der Macht. Ihr Wunschkandidat für die Königsnachfolge ist Richard (Felix Goeser als kraftstrotzender Leder-Ritter). Doch Gatte Henry (machtbewusst: Michael Schweighöfer) bevorzugt John (bei Benjamin Lillie ein schwachbrüstiger Looser-Typ). Bleibt noch Geoffrey, der Mittlere. Er ist bei Peter Moltzen der taktierende Stratege, das Cleverle. Geladen zum Fest der Liebe sind außerdem Henrys Mätresse Alais (Natalia Belitski) und ihr Bruder Philip II. (Andreas Döhler), König von Frankreich.

Metallische Zinnen schieben sich mächtig am vorderen Bühnenrand auf und nieder, gleißendes Licht dringt bisweilen durch ihre Gitter und zerreißt die Dunkelheit, in die der ganze Abend nebelumwoben eingehüllt ist. In der Mitte der Drehbühne produzieren Musiker sirrende und krachende Elektro-Beats, um sie herum kreiselt ein riesiges Schaufelrad. Wunderbare Momente gelingen in den drei Stunden.

Deutsches Theater, Schumannstr. 13a, Mitte. Tel. 28441225 Termine: 4., 6.3.