Interview

Frank Schätzing: „Ich wollte wissen, wie Ariel Scharon tickt“

„Zwischen zwei Buchdeckeln ist nichts unmöglich“, hat Frank Schätzing einmal gesagt. In „Lautlos“ ließ der Star-Autor deshalb Terroristen ein Attentat auf US-Präsident Bill Clinton planen, in „Der Schwarm“ konfrontierte er Leser mit den Gefahren der Tiefsee, in „Limit“ schickte er Prominente auf den Mond.

Nun zeichnet der Kölner in seinem neuen Thriller „Breaking News“, der am kommenden Donnerstag erscheint, den Lebens- und Leidensweg Ariel Scharons (1928-2014) nach – mit einer kleinen Änderung in Form einer Verschwörung.

Berliner Morgenpost:

Herr Schätzing, warum haben Sie sich diesmal den Konflikt im Nahen Osten als Thema ihres neuen Thrillers ausgesucht?

Frank Schätzing:

Die Idee kam durch ein Gespräch über Ariel Scharon zustande. Damals dachte ich: Der alte Ariel war der letzte, dem ich die Lösung des Nahostkonflikts zugetraut hätte. Im selben Moment kam die Verschwörungsidee aus dem Himmel gefallen.

Warum löst ein Gespräch über einen so streitbaren Charakter wie den israelischen Ex-Ministerpräsidenten die Recherche zu einem 1000-Seiten-Thriller aus?

Ich bin kein erklärter Fan von Scharon. Er fasziniert mich. Eine komplexe Persönlichkeit. In seiner Vergangenheit findet sich viel Schatten, aber eben auch Licht. Ich wollte einfach wissen, wie der Typ tickt.

Scharon kommt bei Ihnen nicht gerade gut weg, eher als knallharter Militär, der schon als Kind Anemonen die Köpfe abschlägt.

Es ging darum, sein Handeln verständlich zu machen. Ich hatte gute Quellen, auch über seine Kindheit. Scharon entstammte einer Generation, in der man was riskierte, alles daransetzte, einen Staat aus dem Boden zu stampfen. Diese Alten versuchten, das meiste richtig zu machen, während nachfolgende Generationen eher bemüht sind, das wenigste verkehrt zu machen. Aus Scharons Vita wird sein Handeln verständlich – wenn auch keineswegs immer tolerierbar.

Sie erzeugen eine Verschwörung um den Tod Scharons. Was würde passieren, wenn diese Theorie tatsächlich stimmen würde?

Die Geschichte müsste trotzdem nicht umgeschrieben werden, sollte das so gewesen sein. Damals erhielt Scharon etliche Morddrohungen. Er war praktisch fortlaufend in Lebensgefahr, so wie in den 90er-Jahre Ministerpräsident Izchak Rabin. Der dann ja auch erschossen wurde, weil er sich mit Jassir Arafat auf eine Friedensregelung geeinigt hatte. Weil er versuchte, den Hass zu überwinden. Das reichte den Hardlinern, offen zum Mord an ihm aufzurufen. Diese Typen hatte sich auch Scharon zu Gegnern gemacht. Schon im Vorfeld der Gaza-Räumung gab es ständig Morddrohungen.