Fernsehen

Die Schriftstellerin spricht, die Musikerin schweigt

Durch die Nacht mit Hegemann und Humpe

Helene und Inga tragen Nagellack, wohnen in Berlin und sind Künstlerinnen. Soviel zu den Gemeinsamkeiten der Schriftstellerin Helene Hegemann, 22, und der Sängerin Inga Humpe, 58, die in der neuesten Arte-Folge „Durch die Nacht mit...“ durch Berlin streifen. Einmal im Monat zeigt der deutsch-französische Kulturkanal, wie zwei Promis einen Nacht lang durch eine Stadt ihrer Wahl ziehen, während die Kamera läuft – zuletzt brillierten darin der Regisseur Ulrich Seidl und der Schauspieler Josef Bierbichler oder Schauspieler Tom Schilling und Liedermacher Olli Schulz.

Bei Hegemann und Humpe dagegen ist das eher weniger spannend. Dabei ist die Kombination ja keine schlechte. Hier Hegemann, die 2010 mit ihrem Romandebüt „Axolotl Roadkill“ einen Plagiats-Skandal lostrat und von Kritikern gleichermaßen geschmäht und gehypt wurde. Und dort Humpe, die seit Ende der 70er-Jahre im Musikgeschäft ist, von der Neuen Deutschen Welle („Ich düse, düse im Sauseschritt“) bis heute mit ihrer Band 2raumwohnung („Sexy Girl“).

Die Biografien geben also einiges her – genauso wie die Vorschau auf die Sendung. „Wie sehr sie sich auf den gemeinsamen Abend in Berlin freuen, ist den beiden Frauen sichtlich anzumerken“ schreibt Arte. Doch davon merkt man so wahnsinnig viel nicht. Hegemann und Humpe umarmen sich zwar innig, der Rest läuft aber eher unter höflich als euphorisch ab. Ziemlich viel wird überlegt, wann man sich mal wo gesehen hat und wie man dabei so drauf war. Die beiden Frauen arbeiten sich von der Paris Bar zum Kunstbunker von Sammler Christian Boros und dem Laden der Modedesignerin Claudia Skoda nach Mitte vor, wo sich ziemlich viel umarmt wird. Dazwischen erzählen sich die Autorin und die Popsängerin von ihrem Werdegang – den Arte ohnehin in Einspielern zeigt.

Treffen mit Martin Wuttke

Fast spannend wird es schließlich an der Volksbühne: Humpe und Hegemann treffen sich mit Schauspielerin Birgit Minichmayr und laufen beim Abschied auf dem Flur noch in Schauspieler Martin Wuttke. Kurz hofft man da, die Folge würde einfach mit Minichmayr/Wuttke weitergehen. Stattdessen steigen Hegemann und Humpe wieder in den alten Benz, der sie durch Berlin kutschiert. Während Hegemann sich in die Haare oder ins Gesicht fasst, sehr viel redet und ziemlich absolut in vielen ihrer Aussagen ist, hört Humpe zu. Hegemanns „Weißte...so ein bisschen, was ich meine?“ quittiert sie mit einem nüchternen „Nee, weiß ich nicht“.

Ähnlich läuft es ab, als Hegemann, die sich permanent Zigaretten ansteckt, die blonde Sängerin anschaut und bedauert: „Schade, dass Du nicht rauchst!“ Humpe wiederholt den Satz fast belustigt und schiebt lakonisch nach: „Ich bin ganz froh, dass ich nicht rauche.“ Der klügste Satz der Sendung kommt folgerichtig von der Musikerin und Songschreiberin: „Jeder Moment, den man es schafft, nicht an sich selbst zu denken, ist eine Erholung“, erkennt sie beim Sinnieren mit Hegemann über Beziehungen.

Arte, 2. März, 23.15 Uhr