Auszeichnung

Schriftsteller Schädlich bekommt den Berliner Literaturpreis

Hans Joachim Schädlich sei ein Meister der Kunst, etwas zu sagen, ohne es direkt zu sagen. Mit dieser Begründung sprach die Jury dem 78-jährigen Schriftsteller den Berliner Literaturpreis 2014 zu.

„Sein funkelndes, reiches Lebenswerk ist ein nicht zu ersetzendes Gegengift gegen Dummheit, Übereilung und Schlamperei.“

1935 in Reichenbach im Vogtland geboren, war der promovierte Literaturwissenschaftler schon Ende der 60er Jahre mit Texten aufgefallen, die den Alltag in der DDR kritisch beleuchteten. Trotz großen Interesses wagte sich kein Verlag an eine Veröffentlichung. Seinen literarischen Durchbruch schaffte Schädlich erst 1977, als er nach seinem Protest gegen die Ausbürgerung Wolf Biermanns aus der DDR in den Westen übersiedelte. Der erste Prosaband „Versuchte Nähe“ wurde im Westen als Sensationserfolg gefeiert, im Osten unterdrückt.

Nach der deutschen Einheit erfuhr Schädlich von der Spitzeltätigkeit seines Bruders: Der Historiker Karlheinz Schädlich hatte ihn, Günter Grass und die Literaturszene in Ost-Berlin als „IM Schäfer“ ausspioniert. 2007 erschoss sich der Bruder auf einer Parkbank. Schädlich arbeitete die Beziehung in der Erzählung „Die Sache mit B.“ auf.