Fernsehen

Was von der Liebe übrig bleibt

Der Film „Immer wieder anders“ erzählt von den einzelnen Beziehungsstadien

Das dicke Ende kommt in diesem Film schon ganz am Anfang. Jan hat eine Affäre, verschwindet mit der Frau während der Einweihungsparty des neuen Hauses in der Waschküche. Katja erwischt die beiden und schmeißt den untreuen Mann raus, noch während im Garten die Torte serviert wird.

Erinnerung an „Harry und Sally"

Es müssen nicht immer Teller fliegen. Manchmal zerbricht eine Beziehung fast lautlos. Nun ist „Immer wieder anders“, produziert von Relevant Film, keine schwarzseherische Tragödie, die die Liebe als ein einziges Schlachtfeld skizziert, auf dem es nur Besiegte gibt. Der Film erzählt von den verschiedenen Aggregatzuständen im Leben eines Paares — und wirbelt die klassischen Beziehungsphasen dabei auf unterhaltsame Weise durcheinander. Liebe, sagt dieser Film, versteht man vielleicht nur im Rückblick.

„Wir wollten eine Geschichte über die Ungleichzeitigkeit der Liebe erzählen“, beschreibt es Produzentin Heike Wiehle-Timm. Darüber hinaus zeigen Regisseur Matthias Steurer und Autorin Sophia Krapoth, wie unterschiedlich ein und dasselbe Ereignis aus der jeweiligen Perspektive aufgenommen wird. Was er als kaltschnäuzig empfindet, ist für sie pure Überlebenstaktik. Die Art, wie er die Trennung schließlich überwindet, nämlich mit neuem Job, neuer Frau, neuem Kind, erwischt sie mit der Heftigkeit einer Tsunamiwelle.

Was ihrem Pokerface zu keinem Zeitpunkt anzumerken ist. Dass man bei den eingeschobenen, in Zuschauerrichtung gewandten Erklärungen gelegentlich an den generationsübergreifend verehrten Liebesklassiker „Harry und Sally“ denken muss, ist sicherlich nicht das schlechteste Vorbild für den Film, dem man schon allein zugute halten muss, das klischeeverseuchte Genre der deutschen Beziehungskomödie mal von unverbrauchter Seite zu betrachten.

Gedreht wurde der Film im vergangenen Jahr unter anderem am Hafen, in der Hamburger Altstadt, in Lokstedt. Wo sonst am Freitagabend im Ersten schneebedeckte Berggipfel und Alpenblümlein den Ton angeben, darf man dieses Mal aus Jans auf gehobene französische Küche spezialisiertem Restaurant auf vorbeiziehende Schiffe und das Elbpanorama blicken.

Dabei kann sich „Immer wieder anders“ mit Katharina Wackernagel und Barnaby Metschurat auf zwei überzeugende Darsteller verlassen, die es verstehen, komplizierte Emotionen nicht zusätzlich bedeutungsschwer aufzuladen. Die strahlend-attraktive Wackernagel spielt Katja als Frau mit Prinzipien, die sie wortreich verteidigt. Metschurats Jan ist ein liebenswerter In-die-Luftgucker mit jungenhaftem Charme, der seinen Lebensmüll gern für seine Liebsten rumliegen lässt. Er meint es nicht böse, er weiß es oft nicht besser. Sie meint es oft einfach zu gut.

Dass sich Liebe eben nicht nur nach den berühmten Schmetterlingen im Bauch bewerten lässt, sondern sich auch am Alltag messen lassen muss, mag vielleicht eine wenig aufregende Erkenntnis sein – im Film sind diese verpassten Glückschancen und miesem Timing geschuldeten Konflikte höchst spannend anzusehen. Vor allem sind sie eine (in 90 Fernsehminuten gepresste) Langzeitbeobachtung über die emotionalen Irrgärten, in denen eine Beziehung mitunter führt. Es geht in „Immer wieder anders“ nicht vorrangig um Liebe, sondern auch um das, was von ihr übrig bleibt, nachdem man ein Haus gebaut, zwei Kinder in die Welt gesetzt hat. Manchmal ist das ganz schön viel.

Immer wieder anders Heute, 21 Uhr, ARD