Erzählung

Ein Satire-Denkmal: Thomas Bernhard lebt jetzt auf Mallorca

Thomas Bernhard ist ein Autor, der stets aufs Neue Jünger findet; eine Idolfigur aller Schlechtgelaunten.

Vor 25 Jahren ist der große Grantler, der noch ein viel größerer Schriftsteller war, gestorben. Der in Berlin lebende, österreichische Journalist und Schriftsteller Alexander Schimmelbusch setzt Bernhard mit seinem neuen Roman „Die Murau Identität“ nun ein leuchtendes Denkmal.

Die Ausgangslage in dem glänzend geschriebenen Buch ist schnell umrissen: Bernhard lebt noch, er ist gar nicht tot. In New York und auf Mallorca führt er eine geheime Existenz. Er ist wohl krank und lässt sich behandeln. Nur wenige wissen darüber Bescheid, unter anderem sein Verleger Siegfried Unseld. Dessen Berichte von den regelmäßigen Aufeinandertreffen der beiden Literaturbetriebsgrößen geraten in die Hände eines heruntergekommenen Journalisten namens Alexander Schimmelbusch.

Der macht sich nun selbst auf die Suche nach dem Untoten – dass er Schimmelbusch heißt, ist nur eine von vielen Volten in dieser hoch amüsanten und grotesken Mediensatire, die stellenweise im Furor des Meisters selbst geschrieben ist. Schimmelbuschs anspielungsreiche Verweis-Prosa ist auch eine manchmal alberne, immer auf Wiedererkennbarkeit angelegte Österreich-Revue, in der beim Einsteigen in einen Flieger von Austrian Airlines ein Falco-Song läuft und später dann von einem feschen ehemaligen Bundesminister, der mittlerweile Unternehmer ist, eine Kuchenvitrine mit „Bernhardtorte“ eingeweiht wird.

Reich geworden ist der Unternehmer „mit der Einführung der Haidersalami“, die er „in Serbien aus Eseln drehen ließ“. Der Autor spielt mit zahlreichen Anspielungen, sei es der Name Murau, eigentlich der des Protagonisten von Bernhards Werk „Auslöschung“, auch der „Ohrensessel“ kommt vor, den gibt es in „Holzfällen“. Allerdings nur für Bernhard-Leser wirklich verständlich. Trotzdem: Die Murau-Identität kann zum gelungensten, originellsten Beitrag zu Thomas Bernhards 25. Todestag erklärt werden. Bernhard selbst hätte da wohl einmal wenig zu granteln gehabt.

Alexander Schimmelbusch: Die Murau Identität. Metrolit, 208 S., 18 Euro