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Google widmet Gabriele Münter ein Doodle

Münchner Malerin schafft den Sprung ins Netz

„Du bist hoffnungslos als Schüler, man kann dir nichts beibringen“, stellte Wassily Kandinsky fest, als ihm eine neue Elevin in seiner Münchner Phalanx-Malschule ihre Zeichnungen vorlegte. Hätte er es dabei belassen, hätte er sich selbst wohl um eine große Liebe gebracht – und das 20. Jahrhundert um eine der wichtigsten, produktivsten Künstlerverbindungen überhaupt.

Doch hingerissen fuhr der Lehrer fort: „Du hast alles von Natur. Was ich für dich tun kann, ist, dein Talent zu hüten und zu pflegen, dass nichts Falsches dazukommt.“ Die „Neue“ hieß Gabriele Münter (1877-1962), und bereits während einer Klassenfahrt ins bayerische Kochel verliebte sich der Dozent glühend in seine Schülerin. Zu ihrem 137. Geburtstag widmet Google Gabriele Münter nun ein Doodle.

Avantgarde in Murnau

Der elf Jahre ältere Kandinsky war zwar längst mit einer russischen Cousine verheiratet, aber ein Leben ohne die 25-jährige „Ella“ konnte er sich schon bald nicht mehr vorstellen. Sie selbst erlangte einige Bekanntheit durch ihre Arbeiten, ihr Name jedoch sollte immer mit dem des berühmten Geliebten in Verbindung bleiben. Obwohl noch mit einer anderen Frau verheiratet, lebten Kandinsky und Gabriele Münter bereits nach kurzer Zeit offen zusammen. Auf einem Ausflug nach Oberbayern entdeckten sie das pittoreske Dörfchen Murnau. Die bunten Fassaden der Häuser und die Schönheit der Landschaft begeisterten die beiden so, dass sie beschlossen, dort ihr Domizil aufzuschlagen. 1909 kaufte das Paar ein Haus, das zum künstlerischen Zentrum für die Künstlergruppe des „Blauen Reiter“ wurde. Alexej von Jawlensky und Marianne von Werefkin, Franz Marc und August Macke waren dort häufig zu Besuch.

Auf einigen Fotografien, die Kandinsky zugeschrieben werden, sieht man Gabriele Münter selbst, meist ernst und zugeknöpft in weiter Kleidung oder im Malerkittel. Doch einmal liegt die Malerin samt steifer Pelerine auf einer Waldlichtung im Moos und trinkt in tiefen Zügen aus einem klaren Gebirgsbach, die Schnürstiefelchen weit von sich gestreckt. Druckgrafiken sind es in erster Linie, die die oft in sich selbst versunkene Künstlerin in den Jahren ihres frühen Schaffens beschäftigen. Doch Gabriele Münter erreicht in ihnen nie die Radikalität, die ihre Gemälde kennzeichnete. Während des Ersten Weltkriegs flüchtete sie 1915 nach Stockholm, um im neutralen Ausland auf Kandinsky zu warten, der sich in Russland aufhielt. Auch hier fiel ihr das Arbeiten nicht leicht, zu sehr war sie mit ihrer Beziehung zu Kandinsky beschäftigt. Als dieser nach Stockholm kam, blieb er nur drei Monate, um sie dann zu verlassen. Nach der Trennung von Kandinsky begann für die Malerin eine schwierige Zeit. 1930 lernte sie ihren neuen Ehemann kennen. Mit ihm zog sie nach Murnau zurück. An den Ort, den sie 1908 mit ihrer großen Liebe entdeckt hatte.