Konzert

Aerobic-Stunden mit Maxïmo Park

23 Stücke im Schnelldurchlauf: Im Huxley’s zeigen sich die Briten konditionsstark

„Give, get, take“, fordert Paul Smith zum Auftakt. An dem Frontmann ist nur der Name durchschnittlich. Maxïmo Park ist an diesem Donnerstagabend in die Stadt gekommen. Im gut besuchten Huxley’s treten die fünf Herren aus Newcastle auf. Für die Zuschauer ist das ein ganz guter Deal. Zum Kauf eines Konzerttickets gibt es 23 Stücke im Schnelldurchlauf, fast die Hälfte aus dem alten Repertoire, Turnübungen sind inklusive. Paul Smith hätte auch gut eine Karriere als Sportlehrer einschlagen können. Er lässt Muskeln spielen. Er zeigt, was ein richtiger Luftsprung ist. Er versagt sich auch nicht dem Marschieren auf dem Verstärker. Ob er je über ein eigenes Aerobic-Video nachgedacht hat, fragt man sich da.

Seit 2003 ist Maxïmo Park am Markt, einigermaßen parallel lief deren Entwicklung mit Kaiser Chiefs und Franz Ferdinand, allesamt machen sie tanzbare Gitarrenmusik und allesamt hatten sie ihre gute Zeit Mitte der Nullerjahre. So angesagt wie damals werden sie kaum wieder werden, aber für den Ruhestand sind sie irgendwie zu jung. Mit „Our Earthly Pleasures“ hatte Maxïmo Park ihre 15 Minuten. Das war 2007.

Beachtenswert sind zwei Dinge: Die Band startet mit hohem Tempo. Und sie hält es durch. „Our Velocity“, ein früher Klassiker, kommt als zweites Lied, „The National Health“ als viertes Lied, bei dessen Erscheinen man 2012 wieder an eine Zukunft für die Band glaubte. Dann folgen neue Stücke, schließt man die Augen bei „Brain Cell“, könnte man schwören, bei einem Depeche-Mode-Konzert gelandet zu sein. Beim Imagewechsel hat man sich an ihrem Stil orientiert. Maxïmo Park klingt elektronischer denn je. Gelungen ist ihnen der Imagewechsel, aber auch das Gelingen hat seinen Preis. Viele Fans sind wohl wegen der alten Stücke gekommen sind. Das neue Album „Too Much Information“ hat kaum einer komplett gehört.

„Lydia, tell me how hard can it be?“, besingt Paul Smith das Publikum zur Halbzeit. Eine Verschnaufpause, bevor er das Megafon ergreift und zum Hüftschwung ausholt. Zwischen den Pausen bleibt nur ein kurzes „Dankeschön“, eine für Briten unverzichtbare Erwähnung des Wetters sowie eine Sympathiebekundung für die deutsche Nationalelf. In der kleinen Stilkritik am Ende darf die Frage nicht fehlen, warum eigentlich nur Smith einen schicken schwarzen Anzug samt Hut trägt? Fehlt es den anderen Herren an Geschmack oder Geld, oder finden sie am Ende sogar das Romantik-Image des englischen Poeten von Paul Smith irgendwie albern? Man ist ein wenig ratlos. Man wird es bleiben.