Kleinkunst

Sie bleibt ein Rätsel: Nachdenken über Angela M.

Kabarettist Michael Frowin als Chauffeur der Kanzlerin

Angela Merkel hatte im Wahlkampf des vergangenen Jahres diesen wunderbaren Satz in den Raum gestellt: „Sie kennen mich.“ Dabei trifft das doch eigentlich nur auf einen Mann zu – ihren Chauffeur. „Sie hasst zum Beispiel große Hunde“, sagt dieser Chauffeur, „deshalb war sie einmal böse auf Putin, weil der ihr bei einem Staatsbesuch einen großen Hund vor den Stuhl stellte.“ Das habe sie schon sehr aufgeregt, damals im Auto. Der Chauffeur musste sie richtig beruhigen. Und ihr Mann, Joachim Sauer, mit dem sie gern in der Badewanne...

Na gut, das mit der Badewanne, das hat Michael Frowin sich ausgedacht, aber der Rest, der stimmt. Wenn der 44-Jährige diesen Mittwoch im Mehringhof-Theater als Kanzlerinnen-Chauffeur auf die Bühne tritt, dann geht dieser Show eine lange Vorrecherche voraus. Frowin ist über die Jahre zum Merkel-Experten geworden. Er weiß, dass sie ihre Hände schon lange nicht mehr zu einer Raute formt, sondern eher zu einem „Schiffchen“, er weiß, dass sie im Borcherts lieber Spaghetti Bolognese isst, als das berühmte Schnitzel – und er weiß, wie Merkel es geschafft hat, die Männer, die ihr gefährlich werden, auszuschalten.

Angefangen hat die Beschäftigung mit Angela Merkel schon längst in den 90er-Jahren, als noch niemand ihren Aufstieg zur Kanzlerin vorhersehen konnte. „Für einen Kabarettisten war ihre Frisur ja Gold wert“, sagt Michael Frowin. Im Jahr 2002 schrieb er das Musical „Angela – eine Nationaloper“. Aber inzwischen habe er sich so intensiv mit ihrem Alltag und ihrem Regierungsstil auseinandergesetzt, dass er in seinem aktuellen Programm weder ihren Mundwinkel noch ihre Frisur auch nur erwähnt. Dafür greift er sie auch inhaltlich an: Zögerlich trete sie auf, sagt er, und „merkwürdig visionslos“ sei sie auch. „Sie weiß einfach nicht, wohin die Reise gehen soll, und gibt aber den Deutschen das Gefühl, mit ihr laufe es weiter gut.“

Die Figur des Chauffeurs, der von seinem Posten fast alles über seine Chefin mitbekommt, hat er sich vor zwei Jahren ausgedacht und seitdem das Programm immer wieder aktualisiert: Hitzlspergers Coming-Out, Alice Schwarzers Steuerbetrug bis hin zu Obamas Abhörwut, Frowin versucht das in seinem Text unterzubringen. Nur eines musste er lernen: „Man kann nicht mit jedem Publikum Scherze auf Kosten von Joachim Gauck machen.“ Der Bundespräsident sei irgendwie sakrosankt. „Ich hatte schon Leute sitzen, die dann ‚Nanana‘ schimpften.“

Mehringhof-Theater, Gneisenaustr. 2a. Termine: 12.-15.2. um 20 Uhr