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Die letzten Überlebenden in einem rasanten Zug

Snowpiercer (Seolguk-Yeolcha) Ein Zug als Refugium der letzten Überlebenden der Menschheit, die durch eine selbst gemachte Klimakatastrophe fast ausgestorben ist. Das ist das Konzept von „Snowpiercer“, dem ersten englischsprachigen Film des koreanischen Regisseurs Bong Joon-ho, der in seiner Heimat zu den erfolgreichsten Regisseuren der jüngeren Vergangenheit zählt.

In Deutschland war sein vorletzter Film „The Host“ im Kino, ein Monsterfilm, der vor allem ein brillant inszenierter Genrefilm war, nicht zuletzt aber auch eine Metapher über das koreanisch-amerikanische Verhältnis. Im selben Fahrwasser oder besser in derselben Spur bewegt sich auch „Snowpiercer“, der seine Metaphorik offensiv ausstellt: Nach wenigen Minuten wird der Zug als Arche bezeichnet und auch die Raumaufteilung lässt keine Fragen offen: Während sich vorne die Elite mit Disco und Jacuzzi vergnügt und ihrem Anführer, dem genialen Wilford (Ed Harris) huldigt, lebt hinten der Pöbel im Dreck und wird von künstlich hergestellten Proteinblöcken ernährt. Dass riecht nach Aufruhr und so kommt es auch: Der spirituelle Anführer Gilliam (John Hurt) schickt Curtis (Chris Evans) los, um die Menschheit zu einen. Zunächst wird Namgoong befreit, der das Sicherheitssystem des Zuges erfunden hat und es nun ausschaltet. Den Rebellen stellt sich eine deutlich an Sturmtruppen erinnernde Armee entgegen, befehligt von Mason, Wilfords rechte Hand und eine Paraderolle für Tilda Swinton. Wie eine englische Schulleiterin wirkt sie und ist dem genialen Erfinder treu ergeben. Einige brillante Actionszenen inszeniert Bong im fahrenden Zug. Wohin soll die Revolution führen, fragt sich Curtis dann.

Der Film ist in allererster Linie ein packender Actionthriller, der seine gesellschaftskritischen Themen nur anreißt. Viel Spaß macht das Spiel mit dem Exzess, die originelle Ausstattung des Zuges, und die höchst unschöne Vorstellung, sein Leben in ständiger Bewegung, eingesperrt in eine Blechröhre zu verbringen.

Termine Heute, 18.30 Uhr, Cinestar 8; morgen, 22.15 Uhr, Cubix 9