Highlights der Berlinale

Für Anspruchsvolle

Die geliebten Schwestern (Wettbewerb) Die einen verehren Schiller für seine Werke und Ideale, den anderen ist er verleidet, seit sie in der Schule „Die Glocke“ auswendig lernen mussten. So aber hat man den deutschen Dichter und Denker noch nicht gesehen. Kulturregisseur Dominik Graf zeigt ihn in einer tragischen Ménage à trois mit den Lengefeld-Schwestern. Großes Gefühlskino mit Florian Stetter, Hannah Herzsprung und der Neuentdeckung Henriette Confurius. Goethe stapft bei diesem dreistündigen Werk übrigens nicht einmal durch die Weimarer Kulisse.

Grand Budapest Hotel (Wettbewerb) Wes Anderson hat ja schon immer einen sehr eigenen, sehr schrägen Humor. Den kultiviert er zur Höchstform im Eröffnungsfilm des Festivals, der in Babelsberg gedrehte „Grand Budapest Hotel“. Damit beschert Anderson der Berlinale einen großen Bahnhof für eine unglaubliche Anzahl von Stars selbst in Kurz- und Kleinstauftritten, von Tilda Swinton bis Bill Murray. Mittendrin im Geschehen: Ralph Fiennes als schmallippiger Concierge eines Hotels der Empire-Zeit, das wie die Epoche selbst nach dem Ersten Weltkrieg dem Untergang geweiht ist. Herrlich absurd und quietschbunt: Dieser Film macht einfach nur Spaß. Ein idealer Starter für elf Festivaltage.

Zeit der Kannibalen (Perspektive Deutsches Kino) Wer hat diesen Film nur in diese Kategorie gesteckt? Er hätte sich auch im Wettbewerb redlich geschlagen. Drei aalglatte Wirtschaftstypen (Devid Striesow, Sebastian Blomberg, Katharina Schüttler) verhandeln weltweit über Millionendeals, ohne die Hotels je zu verlassen. Und die sehen auch immer gleich aus: schön designt, schön grau, schön öd. Was geht sie das wahre Leben da draußen an? Johannes Nabers Film lebt vor allem von urkomisch bösen Dialogen. Bis am Ende die Realität doch noch mit Wucht in die edle Hotelsuite dringt.

Cathedrals of Culture (Berlinale Special) Welch grandiose Idee: Große Stätten der Kultur lässt man einfach selber sprechen. Beziehungsweise beauftragt renommierte Filmemacher, um sie zum Sprechen zu bringen. Bei diesem 3-D-Filmprojekt über die Seelen berühmter Bauwerke haben unter anderen Wim Wenders, Robert Redford und Michael Madsen mitgewirkt. Sie zeigen uns mit unverwechselbarer Handschrift die Berliner Philharmonie, das Opernhaus in Oslo, ein Kloster für die Wissenschaft in Kaliforniens, aber auch das humanste Gefängnis der Welt im norwegischen Halden.