Highlights der Berlinale

Für Bücherfreunde

Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand (Berlinale Special) Es soll ja Menschen geben, die den Bestseller von Jonas Jonasson noch nicht gelesen haben. Wie ein rüstiger Greis da aus dem Altenheim ausbüxt, zufällig ein paar Millionen klaut und nebenbei eine Geschichte erzählt, die selbst die von Forrest Gump in den Schatten stellt. Weil er von Franco und Stalin geliebt und gehasst wurde und nebenbei die Atombombe erfand. Die Schweden haben „ihren“ Buchhit mit genau dem Humor verfilmt, den schon die Vorlage so herrlich absurd machte.

A Long Way Down (Berlinale Special) Silvester ist keine gute Zeit, um sich umzubringen. Weil das zu dem Reizdatum viele tun wollen. Und man auf dem Hochhaus, von dem man sich in aller Ruhe stürzen wollte, keine Sekunde für sich hat. Gleich vier Protagonisten treffen sich in Nick Hornbys Roman - und schließen einen Pakt, bis zum Valentinstag weiterzuleben. Quasi ein Club der aufgeschobenen Suizidanten. Schwerstmut als Ausgangspunkt einer Komödie - darauf muss man auch erst mal kommen. Hornby hat auch das Drehbuch mitverfasst. Und weil einer in diesem Quartett Ex-007 Pierce Brosnan ist und der selbst schwache Filme noch zu adeln weiß, kann es hier eigentlich gar keinen Absturz geben.

The Two Faces of January (Berlinale Special) Es ist schon wieder 15 Jahre her, dass „Der talentierte Mr. Ripley“ auf der Berlinale lief. Jetzt feiert eine neue Patricia-Highsmith-Verfilmung hier Premiere, die nicht von ungefähr daran erinnert. Weil sie von Max Minghella produziert wurde, dem Sohn des kürzlich verstorbenen Anthony Minghella, der „Mr. Ripley“ inszeniert hat. Diesmal ist Viggo Mortensen ein talentierter Betrüger, der Opfer im großen Stil ausnimmt, dem aber ein kleiner Gauner in die Quere kommt. Schon wegen Kirsten Dunst und der vielen flirrenden Sommerbilder ein absolutes Muss.

Anderson (Panorama) Alice Schwarzer und André Schmitz sind nur die neuesten Belege dafür, dass man eigentlich niemandem trauen kann. Das gilt auch für Schriftsteller. Sascha Anderson war der Star vom Prenzlauer Berg, von der alternativen Ost-Berliner Literaturszene. Bis 1991 herauskam, dass er ein Informant der Stasi war, der Kollegen und Künstlerfreunde bespitzelte. 23 Jahre später fragte Filmemacherin Annekatrin Hendel ihn und Weggefährten nach den Motiven und Folgen. Keine Vergangenheitsaufarbeitung, vielmehr ein Zeitbild, das bis in die Gegenwart reicht.