Highlights der Berlinale

Für Hartgesottene

Das finstere Tal (Berlinale Special)Deutsche Western, das geht gar nicht. Zumindest seit Pierre Brice nicht mehr durch Karl-May-Land reitet. Thomas Arslans Wettbewerbsbeitrag „Gold“ vom Vorjahr hat diese These wohl eher bestätigt. Aber nun kommt diese Verfilmung des gleichnamigen Buchbestsellers. Ein Western, der in den Alpen spielt, mit einem lonesome Cowboy (Sam Riley), der noch eine Rechnung offen hat, und lauter bösen Schurken, von Tobias Moretti bis Hans-Michael Rehberg. Das Ganze spielt in frostig-kargen Bildern, erst zum blutigen Showdown bricht die Sonne durch.

Nyphomaniac: Volume 1 (Wettbewerb – Außer Konkurrenz) Sex! Stars! Zensierte Fassung! Das schreit geradezu nach einem Aufreger. Lars van Trier, der sich zuletzt in Cannes um Kopf und Kragen redete, meldet sich mit diesem XXL-Opus über eine Nymphomanin (Charlotte Gainsbourg) zurück. Zahlreiche Stars wie Shia LaBoeuf (Foto), Willem Dafoe oder Chansonsänger Benjamin Biolay lassen die Hüllen fallen – wurden aber unter der Gürtellinie von Pornostars gedoubelt. Im Kino wird es nur eine entschärfte Version geben – die Berlinale-Gänger aber dürfen eine um 20 Minuten längere, explizitere Version sehen. Dabei ist auch eine echte Entdeckung zu machen: Stacy Martin, die die junge Gainsbourg gibt.

Kreuzgang (Wettbewerb) Armes Mädel. Die 14-jährige Maria ist eine ganz normale Pubertierende, die nur ein bisschen Musik hören will und den Schüler aus der Parallelklasse mag. Aber das ist schon zuviel für ihre ultrareligiöse Mama. Und der Pater aus dem Firmunterricht tut sein Übriges dazu bei, das Mädchen in einen regelrechten Glaubenswahn zu führen. Das alles wird auch formal streng erzählt: in 14 fast völlig starren Einstellungen, die den Stationen auf Jesu Leidensweg folgt und die Geschichte damit zu einer großen Passion macht. Ein tief verstörendes, aggressiv machendes Werk.

Das Cabinet des Dr. Caligari (Berlinale Classics) Das Böse kommt vom Jahrmarkt! Tagsüber ist der titelgebende Doktor in einer Schaubude zu sehen, nachts aber schickt er sein in Trance schwebendes Medium auf, zu morden. Robert Wienes existenzialistisches Stummfilmdrama von 1919 ist eins der großen Meisterwerke des deutschen Films. Gerade ist das Oeuvre aufwändig restauriert worden. Jetzt ist es wie neu zu sehen. Und wird auch an einem einzigartigen Ort vorgestellt: in der Philharmonie, mit Livemusik von John Zorn. Das wird eins der ganz großen Highlights des Festivals.