Debatte

Schnell weg hier: Das ungeliebte Kulturforum

Eine Akademie-Diskussion verdeutlicht das Elend

Klaus Wowereit würde sicher das Fehlen von „Sexappeal“ bemängeln. Doch der Mann ist nicht da, niemand aus der Kulturverwaltung. Man hat jetzt andere Probleme, als über das Kulturforum zu diskutieren wie an diesem Montagabend in der Akademie der Künste. Seit Jahren gibt es in regelmäßigen Abständen Streitgespräche und Diskussionen zu diesem Innenstadt-Areal. 2012 hat Ex-Bausenator Hans Stimmann ein ganzes Buch über diesen Hauptstadtplatz herausgegeben. Und nun schießt das Diskussionsfeuer erneut hoch, seit im letzten Sommer die Pläne bekannt wurden, wonach die Gemäldegalerie auf die Museumsinsel umziehen sollte. Das ist wieder vom Tisch, ein stimmiges Gesamtkonzept für das Kulturforum allerdings gibt es bis heute nicht.

Einig sind sich die Podiumsgäste schnell darin, dass das Kulturforum eine „Ungeliebte“ ist, unwirtlich, öd, desolat. Eine abstrakte Adresse, noch dazu die „Mutter aller Baustellen“ wie Wilfried Wang von der Sektion Baukunst dem Areal attestiert. Gebaut wird hier allerdings seit Jahren nicht. Pläne gab es genügend. Dort steht Scharouns Philharmonie und Mies van der Rohes Nationalgalerie, große Architektur-Ikonen, doch es fehlt einfach die urbane Geschlossenheit. Eine Stadtbrache, wo keiner hingeht, außer er will Kunst gucken oder Musik hören. Nur: Keiner bleibt, weil es nichts gibt, ein Treffpunkt fehlt. Aufenthaltsqualität? Fehlanzeige. Christhard-Georg, Direktor von St. Matthäus, hat nun beobachtet, dass sich die Menschen hier bewegen wie Ameisen – „sie kommen und sind schnell auch wieder weg“.

Paris als Vorbild

Die üblichen „Verdächtigen“ sind geladen, die Anrainer. Sie sind ihre eigene Lobby: Udo Kittelmann von der Nationalgalerie, der auf das „Museum des 20. Jahrhunderts“ setzt, Michael Eissenhauer, Direktor der Staatlichen Museen, sein Chef, Hermann Parzinger, Stiftungspräsident. Die große Musik ist nicht da, Martin Hoffmann, Intendant der Philharmonie, fehlt.

Das Schöne an solchen Abenden ist, dass oft jene Ideen, die von außen kommen, die erfrischendsten sind. Leonie Baumann vom Rat der Künste geht pragmatisch an die Sache. Eine Qualitätsmarke muss her, sagt sie, „eine identitätsübergreifende Bewerbung“ der Häuser: eine große Webseite, gemeinsames Ticketing, eine vernünftige Restauration, vielleicht ein neuer BVG-Bus-Stop. Christophe Knoche, Sprecher der Freien Szene, plädiert gar für temporäre Interventionen, also einen sehr lebendigen Standort. Dazu gehören Künstler, die vor Ort produzieren und Kunst zeigen: Tanz, Performances, alles dabei. Die Fortschreibung des Musealen durch das Leben vor Ort. Senatsbaudirektorin Regula Lüscher hat da auch so eine Idee, das Museum George Pompidou in Paris wäre nach ihrem Geschmack („Eine Kulturmaschinerie“). Wie sagte doch Hermann Parzinger gleich am Anfang der Diskussion: „Das Spiel ist offen“.