Bühne

München leuchtet – dank Berliner Engagement

Theatertreffen: Vier von zehn Inszenierungen aus Bayern

Die alljährliche Auswahl für das Berliner Theatertreffen gilt als eine Art Bühnen-Seismograph. Interpretiert man die 51. Ausgabe des Festival in diesem Sinn, dann liegt die neue Theaterhauptstadt im Süden: Mit gleich vier Inszenierungen ist München im Mai dabei. Und zweimal wurden sogar Produktionen des Residenztheaters eingeladen, die von Martin Kušej geleitete Bühne wurde in den vergangenen Jahren – unverdientermaßen – viel seltener berücksichtigt als die benachbarten Münchner Kammerspiele.

Kleine Ironie am Rande: Beide vom Residenztheater berücksichtigten Arbeiten stammen von Berliner Regisseuren. Eingeladen wurde die letzte Inszenierung von Dimiter Gotscheff, der Regisseur starb im vergangenen Herbst. Gotscheff wurde aber nicht deshalb berücksichtigt, beeilte sich die Jury auf der Pressekonferenz am Montag im Haus der Berliner Festspiele zu versichern – und kündigte gleich noch einen „Gotscheff-Focus“ an. Gezeigt wird „Zement“, ein frühes Stück von Heiner Müller – und damit schließt sich ein Kreis, denn Gotscheff verdankte dem Dramatiker seinen Durchbruch als Regisseur.

Volksbühne mit Fritsch dabei

Einen kurzen Weg zur Verbeugung nach dem Berliner Gastspiel des Residenztheaters hat Frank Castorf. Der Intendant der Volksbühne wurde nicht mit einer an seinem Haus realisierten Arbeit, sondern für die Münchner Inszenierung „Reise ans Ende der Nacht“ berücksichtigt. Natürlich eine Romandramatisierung. Die Vorlage stammt von Céline. Das Debütwerk, 1932 erschienen, soll seinerzeit eingeschlagen sein „wie eine Bombe“, sagte eine Jurorin.

Die Volksbühne ist als einziges Berliner Theater dabei. Eingeladen wurde Herbert Fritschs Oper „Ohne Titel Nr. 1“, die im Januar am Rosa-Luxemburg-Platz uraufgeführt wurde. Fritsch, der erst vor ein paar Jahren zur Regie wechselte, gehört ja schon zu den Stammgästen des Festivals. Die restlichen Berliner Bühnen gehen leer aus, allen voran das unter der neuen Intendanz gut gestartete Maxim Gorki Theater. Also nicht ganz, immerhin ist das Hebbel am Ufer (HAU) als einer von vielen Koproduzenten mit „Situation Rooms“ von Rimini Protokoll vertreten.

Eine weitere Koproduktion, Alain Platels „Tauberbach“, kommt von den Münchner Kammerspielen, die außerdem mit „Fegefeuer in Ingolstadt“, einer Inszenierung der jungen Regisseurin Susanne Kennedy, vertreten sind. Mit Robert Borgmann, der am Schauspiel Stuttgart Tschechows „Onkel Wanja“ auf die Bühne brachte, ist ein weiterer Newcomer erstmals beim Theatertreffen dabei.

Das Schauspielhaus Zürich schickt zwei Inszenierungen – Alvis Hermanis’ „Die Geschichte von Kaspar Hauser“ und Karin Henkels „Amphitryon und sein Doppelgänger“. Für „Die letzten Zeugen“ holte das Wiener Burgtheater Überlebende des Nationalsozialismus auf die Bühne. Vom 2. bis 18. Mai sind die zehn „bemerkenswertesten Inszenierungen“ zu sehen. Der Vorverkauf startet am 12. April.