Nachruf

Ein Dirigent mit Eigensinn und Mut: Gerd Albrecht ist tot

Er nahm selten ein Blatt vor den Mund und engagierte sich auch kulturpolitisch.

Mit Eigensinn und Courage hat der Dirigent Gerd Albrecht im Konzertsaal und in der Oper nicht nur entschlossen auf die Moderne gesetzt, sondern ebenso vehement verschollen geglaubte oder unterschätzte Werke der Musikgeschichte wieder ans Licht geholt. Zur Renaissance etwa von Alexander Zemlinksy hat Albrecht, der an diesem Sonntag in Berlin mit 78 Jahren gestorben ist, entscheidend beigetragen.

Er hatte früh Erfolg in seinem Metier. Als Sohn des Musikwissenschaftlers Hans Albrecht und der Pianistin Hildegard Kleinholz in Essen geboren, war er nach dem Studium von Musik und Kunstgeschichte bei dem renommierten Hamburger Dirigenten Wilhelm Brückner-Rüggeberg mit 22 Jahren startbereit für eine rasant verlaufende Dirigentenkarriere. So hatte er bereits als 27-Jähriger den Posten als Generalmusikdirektor in Lübeck inne. Von 1966 bis 1972 amtierte er in gleicher Funktion in Kassel, anschließend war er bis 1976 Chefdirigent der Deutschen Oper Berlin. Von 1988 bis 1997 war er Generalmusikdirektor und Operndirektor in Hamburg, zuletzt leitete er das Dänische Radio-Sinfonieorchester in Kopenhagen.