Theaterkritik

Ein bisschen zu verspielt angesichts des großen Themas

Vielleicht ist es die große Geste, die so verstört: Igor Strawinskys 1917 entstandene „Geschichte vom Soldaten“ als Erinnerung an 100 Jahre 1. Weltkrieg zu nehmen. Denn das Musiktheater für einen Erzähler, Tänzer und kleines Orchester handelt von einem Soldaten, der seine Geige gegen Reichtümer tauscht – und den Teufel nicht mehr loswird. Die Botschaft: „Man kann nicht alles haben. Was war, kehrt nicht zurück.“ Das hat zwar viel mit dem Verlust des Seelenfriedens zu tun – aber mit dem Grauen des Kriegs? Nur unter dieser Annahme aber funktioniert, was Regisseur Santiago Blaum und Schauspielerin Eva Löbau in „Die Geschichte vom Soldaten Elik“ anstellen: Sie verknüpfen den Strawinsky-Plot mit den Erlebnissen von Elik Niv, der in der israelischen Armee diente und hier als Tänzer auf der Bühne steht.

Großartig ist, wie Löbau das erzählt zwischen suggestiver Übertreibung und postdramatischem Plauderton, wie sie (dem Original gemäß) in alle Rollen schlüpft und so den Protagonisten Elik letztlich unmündig werden lässt. Was ebenso thematisiert wird wie die Ambivalenz von Eliks Geschichte: Da stehen positive Erinnerungen an den 1. Golfkrieg (schulfrei!) neben der bitteren Bemerkung, seine Mutter habe während der neun Jahre, in denen ihre drei Söhne dienten, nicht eine Nacht geschlafen.

Solche Wendungen erden den Abend angenehm. Der Israel-Palästina-Konflikt wird gestreift und das Verhältnis zur deutschen Geschichte, die menschliche Gier, der deutsche Hang zur Besserwisserei. Und doch bleibt das alles zu klein, zu verspielt für ein Thema, das um das Leid vieler Tausender kreist. Auch ästhetisch: Das bisschen Tanz und absurde Pantomime voller historischer Zitate um den künstlichen Felsen herum, die Ballerspielästhetik der Videoprojektionen auf die vollverschleierte Tänzerin, die kreisende Spielzeugdrohne – all das wäre hübsch, wenn es hier nicht um unlösbare Fragen ginge. Aber vielleicht war genau das das Ziel des „Soldaten Elik“: einen mit Bauchschmerzen rauszuschicken, damit man noch lange über Krieg und Frieden nachdenkt.

Sophiensäle, Sophienstr. 18. Termine: Heute, 29./30.3., Karten: 28 35 266.