Interview

Alles über meine Tochter

Matthias Schweighöfer über „Vaterfreuden“ – in seinem Film und in seinem Privatleben

Matthias Schweighöfer wird wieder Vater. Zum zweiten Mal. Das hat er bei „Wetten, dass..?“ öffentlich zugegeben. Wollte sich aber weiter nicht dazu äußern. Nun heißt sein neuer Film, bei dem er nicht nur die Hauptrolle spielt, sondern auch für Regie und Produktion verantwortlich zeichnet, ausgerechnet „Vaterfreuden“. Selber schuld. Weil sich da natürlich nicht nur die Fragen nach den Vaterfreuden im Film stellen, sondern auch die nach den privaten. Peter Zander hat den deutschen Filmstar getroffen.

Berliner Morgenpost:

Bei dem Titel Ihres Films ist Ihnen klar, dass jetzt ganz viele Fragen zum Vaterdasein kommen.

Matthias Schweighöfer:

Damit war zu rechnen ...

Sie sollen ja wieder Vater werden.

Habe ich auch gehört. Wann es so weit ist, weiß ich nicht. Ich beantworte die Frage aber auf clevere Weise: Für mich stand nie zur Debatte, ob ich noch mal Vater werde. Ich bin ja selbst Einzelkind, ich weiß nicht, wie das unter Geschwistern ist. Aber ich dachte, wenn ich noch mal ein Kind kriege, würde ich mich irre freuen, wenn meine Tochter ein Geschwisterchen bekäme. Ob Brüderlein oder Schwesterlein, spielt ja keine Rolle.

Und die Mutter soll auch dieselbe sein wie die Ihres ersten Kindes ...

Wir haben so eine On-/off-Beziehung. Ich mach das so wie Lewis Hamilton und Nicole Scherzinger: Die sind ja auch mal zusammen und mal getrennt. Das belebt so eine Beziehung. Und es ist nun mal auch schwer abzurücken von einer Frau, mit der man ein Kind hat. Das Kind ist da der Mittelsmann. Und je mehr Kontakt man hat ... Irgendwann sagt ein Kind dann auch, wie schön es wäre, wenn die Eltern wieder zusammen wären.

Wie hat sich Ihr Leben damals verändert, als Sie Vater wurden?

Mein Leben wurde erstens schöner, aber zweitens auch verantwortungsvoller und damit sorgenreicher. Da gibt es jemanden, um den du dich kümmern musst. Du hast weniger Schlaf. Du wirst vor allem mit deinen groben Fehlern konfrontiert. Ich habe auch gesehen, was meine Eltern falsch gemacht haben. Meine engsten Freunde Jan Nowak und Milan Peschel habe ich als Paten eingespannt, die sehe ich jetzt fast öfter als vorher. Die Partyzeit wie früher, das ist nicht mehr so wichtig. Aber die Zeit miteinander zu erleben, das ist einfach nur cool. Insofern hat sich mein Leben gar nicht so verändert. Es hat sich nur bereichert.

Bei unserem letzten Gespräch schlief Greta noch im Nachbarzimmer. Bei wem wächst sie denn größtenteils auf?

Mal so, mal so. Wenn ich einen Film drehe, ist natürlich meist die Mutti dran. Jetzt bin ich zwei Wochen wieder zu Haus, da hab ich sie dann wieder. Aber da gibt es keinen Rhythmus. Die Mutter ist meist Zentrum, auch von der Wohnung her, aber ich bewege mich darum herum.

Jetzt kommt die Natalie-Portman-Frage.

Ach? Dann mal los.

Ich habe ihr die Frage neulich gestellt, und sie meinte, das sei typisch. Das werden nur Mütter gefragt. Ich frag jetzt also auch mal den Vater: Wie ist das denn unter einen Hut zu bringen, Kind und Beruf?

Das Gute ist, als Regisseur und Produzent, der ich ja seit Kurzem bin, bin ich auch der Chef. Wenn ich am Set sage, meine Tochter kommt jetzt, wir machen eine Dreiviertelstunde Pause, sagt da keiner was. Die freuen sich höchstens, wenn die Überstunden danach extra honoriert werden. Deshalb komme ich mit dem Beruf ganz gut klar. Und ich lass ja auch immer viele Freunde mitspielen, da ist alles familiärer. Vor allem erlebe ich dann aber auch die Zeit, die ich wirklich freihabe, viel bewusster. Wenn du einen normalen Job hast, siehst du dein Kind zwar regelmäßiger, aber vielleicht auch nur zwei, drei Stunden am Tag. Wenn ich nicht drehe, habe ich auch mal zehn Tage am Stück Zeit.

Ist Greta denn beim Dreh dabei?

Nein. Die fahren in der Zeit in Urlaub. Aber wenn ich dann in der „Gala“ bin und sie findet das, schickt mir Greta auch mal ein Foto davon.

Darf sie denn schon Filme sehen?

Sie mag das nicht. Wenn ich mir so einzelne Szenen zu Hause ansehen muss, das findet die ganz uncool. Wenn da ein Stunt gezeigt wird, kriegt sie richtig Schiss. Da muss ich dann ausmachen. Oder sie haut einfach den Computer zu. Klare Ansage.

In „Vaterfreuden“ gibt es die schöne Szene, wie Sie mit Freunden auf dem Spielplatz sitzen. So was gibt es sonst ja nur bei Frauen. Können Sie überhaupt auf den Spielplatz oder werden Sie gleich von Fans umringt?

Na klar geh ich mit Greta auch auf den Spielplatz. Das wird knallhart durchgezogen. Das ist aber auch ganz entspannend. Die Mütter sind alle so beschäftigt mit ihren Kindern. Das ist herrlich normal. Ich glaube, so ein Spielplatz ist auch ein prima Un-Ort. Da sind alle gleich.

Wir müssen bei diesem Film auch noch über etwas anderes sprechen: die Frettchenszene.

(lacht) Das war unvermeidbar.

Sie werden beim Liebesspiel ans Bett gefesselt, Ihr Gemächt mit Honig eingeschmiert. Aber dann muss ihre Partnerin ans Telefon. Und das Frettchen wittert den Honig.

Als ich das Buch gelesen habe, habe ich mich weggeschmissen vor Lachen. Da dachte ich mir, das will ich im Kino sehen. Erst am Tag, wenn das dann gedreht wird, mache ich mir klar, was das jetzt für mich heißt. Aber im fertigen Film schmeiß ich mich dann wieder weg.

Es gibt ja kaum einen Film, wo Sie nicht buchstäblich die Hosen runterlassen. Von „Soloalbum“ mit den eingeklemmten Weichteilen bis jetzt zum Frettchen. Ein fester Bestandteil, ein roter Faden in Ihrem Oeuvre?

Nett, dass Sie es so ausdrücken. Ich werde ja schon gefragt, ob das ein Fetisch ist. Es ist zumindest kein narzisstisches Moment: Hey, watch my body. Es geht auch nie um Nacktheit allein. Ich bringe das ja immer in eine peinliche Situation. Dass man buchstäblich nackt dasteht. Ich mag den Humor, damit zu spielen.

Til Schweiger würde das nicht tun. Ist das etwas, was Fans an Ihnen lieben, dass Sie so etwas mit sich machen lassen?

Darüber mache ich mir keine Gedanken. Ich finde das einfach nur komisch.

„Vaterfreuden“ kommt am 6. Februar ins Kino. Ist das nicht ein unglücklicher Termin, am Eröffnungstag der Berlinale?

Ich glaube, meine Zielgruppe ist nicht unbedingt der Berlinale-Gänger. Vielleicht sind da ein paar Kinos in Berlin besetzt, aber in anderen Städten wollen die Leute auch ins Kino.