Doku

Mit einem Wartburg unterwegs

Die ZDF-Doku „Nicht alles war schlecht“ zeigt die widersprüchlichen Seiten der DDR

Da kommt was auf die Deutschen zu im Herbst: 25 Jahre Mauerfall. Das ZDF zeigt jetzt bereits die liebevoll gemachte, zweiteilige DDR-Dokumentation „Nicht alles war schlecht“. Der erste Teil heißt „Liebe, Frust und Freiheit“ und ist eher dem neuen Ja gewidmet, dem sozialen Staat, in dem der Mensch entschleunigt vor sich hin lebte. In „Sehnsucht, Trotz und Rock’n’Roll“, dem zweiten Teil, geht es vor allem um das Aber, um den strengen Staat, der seine Menschen gängelte.

Durch die Geschichte führt eines der letzten Zonenkinder, Constantin von Jascheroff, der Schauspieler war 1989 mit den Eltern aus der DDR geflohen, als die Mauer fiel war er drei Jahre alt. Er erfährt von Veteranen und aus Propagandafilmen, wie er aufgewachsen wäre. „Ich wäre auch Pionier gewesen, vielleicht hätte ich das cool gefunden“, sagt er. Für das ZDF lässt er sich wie ein Ostler in den Achtzigern frisieren, absolviert in Leipzig einen Sichtungstest als Leistungssportler, hetzt als NVA-Soldat über die Sturmbahn, sitzt in Stasi-Haft und hüpft im Wartburg über eine miserable Landstraße. Er strahlt, und manchmal schüttelt er den Kopf.

Die frühe DDR-Historisierung hat den Vorteil, dass die Zeitzeugen noch wissen, wer sie sind und was sie sagen. Henry Maske und Andrea Kiewel schwärmen von der sportlichen Erziehung, Achim Mentzel freut sich über die subversive Kraft der Rockmusik, und Uwe Steimle schildert seine DDR als einzige Schwejkiade.

Jedem Gesamtdeutschen im Jahr 2014 kommt die DDR, wenn sie so quellenunkritisch aus Aktenlage und Erinnerungen ihrer Insassen rekonstruiert wird, irgendwie idyllisch vor. Die selbstbewussten Frauen, Nackte an den Stränden, Arbeit, Sicherheit und Freizeit. Selbst die Mangelwirtschaft wirkt, wenn man sie heute sieht, wie ein vom Staat gelenktes großes Downgrading. Der Tauschmarkt und das Heimwerkeln: Sind das nicht auch Modelle für ein schöneres Leben heutzutage?

Da erscheint das Aber gar nicht mehr so schlimm: Aus den Schriftstellern und Bürgerrechtlern spricht der heitere Ernst, den ein System hervorgebracht hat, das sich selbst schließlich in seinen Widersprüchen aufgelöst hat. Roland Jahn war in der legendären Jenaer Opposition aktiv. Ein Freund von ihm starb durch die Stasi, deren Unterlagen die Behörde, die er leitet, nun verwaltet. „Wir haben ein schönes Leben in der DDR gehabt“, sagt Jahn. „Nicht wegen des Staates, sondern trotz des Staates.“

Deutschland wirkt heute so ostselig wie nie zuvor. Es wird regiert von einem Pfarrer und von einer Pfarrerstochter aus der DDR. Seltsame Sehnsüchte des Westens führen zu entsprechenden Museen, Büchern, Fernsehsendungen und Filmen. Während Iris Gleicke, die aus Thüringen stammende neue Ost-Beauftragte der Bundesregierung aufgeräumt erklärt, dass sie dem Westen helfen wolle. In der BRD war nämlich auch nicht alles schlecht.

ZDF28.1. und 4.2. jeweils 20,15 Uhr